Ratatatam - Literatur aus Vergangenheit und Gegenwart

Moderne Klassiker

Hermann Broch

Die Schlafwandler

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Angesichts der Vielzahl an aktueller, lesenswerter Belletristik bedarf es einer gewissen Überwindung, einen episch ausholenden, modernen Klassiker wie Die Schlafwandler von Hermann Broch anzufangen, aber bereits auf den ersten 20 Seiten begeistern mich Sprache, Tiefsinnigkeit, Humor und die leise Ironie, die das Lesen immer weiter vorantreiben. Und wenn mich ein Buch so in seinen Bann zieht, fürchte ich mich auch nicht vor den knapp 800 Seiten dieser Romantrilogie, die ich in einer wunderbaren blauen Feinleinen-Ausgabe aus der Reihe “Jahrhundert-Edition – Hundert Meisterwerke der modernen Literatur" erstehen konnte. Sie ist damals im längst abgewickelten Bertelsmann-Club erschienen. Die Qualität dieser damals mit viel Sinn für Buchkunst hergestellten Werke kommt leider in keinster Weise an die Klassikereihen heran, an die sich DIE Zeit, die Süddeutsche Zeitung oder andere Verlage versuchen. 

04. Mai 2021 ° Rubrik Moderne Klassiker ° Direktlink

William Melvin Kelley

Ein anderer Takt

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Rassismus wird in dem Roman Ein anderer Takt als ein unsichtbares und zähes Geflecht sichtbar, das bis in die kleinsten Verästelungen des Fühlens und Denkens eingedrungen ist und selbst in Freundschaften wirkt, die die Rassengrenzen zu überwinden suchen.  Auf 268 Seiten fegte William Melvin Kelley all das, was sich in meinem Kopf an Gut-und-Böse-Naivität eingenistet hatte, hinweg. Nicht allein der Hass zementiert den Rassismus und die Machtverhältnisse, auch der Anpassungsdruck, der fehlende Mut, sich zu positionieren, auch die Angst vor Annäherung, die Furcht vor Ausgrenzung aus der eigenen Kaste. Subtil positioniert man sich, auch wenn man nicht hasst und nichts gegen Schwarze hat. Das Befremden bleibt, auf beiden Seiten. Jeder ist verstrickt, doch die Opfer sind die Schwarzen, die früher gelyncht und heute hinterrücks erschossen werden. Daran läßt Ein anderer Takt keinen Zweifel. Und wünschten wir uns als Leser auch sehr die Hände der Versöhnung, zeigt die brutale Szenerie eines Lynchmordes im letzten Kapitel des Buches, was es bedeutet, unentrinnbar einer entmenschlichten Gewalt ausgeliefert zu sein. Ohne Illusion und in einer erschreckenden Klarheit beschreibt William Melvin Kelley den Blick der Gewalt, ein Blick, “der verriet, dass der Mechanismus, der den Menschen zum Menschen macht, ausgeschaltet war”. Mit ähnlicher Intensität hat auch James Baldwin in Beale Street Blues den Blick eines sexualisierten rassistischen Polizisten geschildert. Eine abgrundtiefe Leere in der Seele rettet sich allein in Hass und Gewalt, das ist eine Erkenntnis beider Romane. Aus einem beeindruckenden Einfühlungsvermögen verdichtet William Melvin Kelley mit sezierender Sprache, die an Gustave Flaubert erinnert, die Tragödie des Rassismus exemplarisch anhand einer kleinen Stadt in den USA der 50er Jahre.  

Ein anderer Takt ist bereits 1962 erschienenen. Erst 2019 wurde eine deutsche Übersetzung veröffentlicht, wofür dem Verlag Hoffmann und Campe nicht oft genug zu danken ist, auch für die Beauftragung einer kongenialen Übersetzung von Dirk van Gunsteren.  — Ein anderer Takt bei Hoffmann und Campe.

21. März 2021 ° Rubrik Moderne Klassiker ° Direktlink

Ulrich Alexander Boschwitz

Menschen neben dem Leben

Buchcover

Ich liebe Bücher, in denen mir die geschilderten Menschen nahe kommen, seien sie auch aus einer ganz anderen Zeit, arm oder reich, mächtig oder ausgegrenzt, widersprüchlich oder gewöhnlich (scheinbar). Dann passiert für mich das, was ich das kleine Wunder des Lesens nenne. Ein Wunder, das wirkte, als ich Menschen neben dem Leben von Ulrich Alexander Boschwitz las.

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Jörg Fauser

Das Schlangenmaul

Buchcover

Da sage noch jemand, die deutsche Literatur habe keinen Raymond Chandler. Auch Jörg Fauser beherrschte diesen lakonischen Großstadtton und übertrug ihn auf deutsche Einsamkeit und Niedertracht.

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Marghanita Laski

Herz, sprich lauter

Buchcover

Marghanita Laski entdeckte ich Anfang des Jahres 2020 im Arche-Literaturkalender. Ich wurde neugierig auf den neu übersetzten und bereits 1949 veröffentlichten Roman Herz, sprich lauter

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Jörg Fauser

Rohstoff

Buchcover

Als Mitte der Achtziger Jahre mein Interesse für Literatur geweckt war, las ich auch literatur konkret aus dem Gremliza Verlag. Ich meine, dass ich in einer der Ausgaben zum ersten Mal las, dass Jörg Fauser ein unterschätzter Autor und ein Ausnahmetalent sei.

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