Ratatatam - Literatur aus Vergangenheit und Gegenwart

Jürgen Serke

Die verbrannten Dichter

Illustratives Bild

Vor einiger Zeit habe ich mir das Buch Die verbrannten Dichter von dem Journalisten Jürgen Serke aus einem Online-Antiquariat besorgt und es ist schnell zu einem der wichtigsten Sachbücher für mich geworden. Dieses Buch hat mir einen neuen Literaturkosmos erschlossen: Expressionistische Literatur vor und nach dem 1. Weltkrieg und die Exilliteratur dazu. Dieses Buch hat mir zahlreiche faszinierende Schriftsteller*innen und Dichter*innen, zahlreiche mutige Kulturschaffende näher gebracht. Dieses Buch hat mich an vielen Stellen bewegt, da es mir bewusst gemacht hat, in welchem Ausmaß der nationalsozialistische Terror eine lebendige Kultur unterdrückt und vernichtet hat. Alle die, die für eine freie Kunst standen, wurden feige ermordet, wurden in die Flucht, in den Suizid, ins Vergessen getrieben. Dieses Buch hat mir gezeigt, dass diese reiche Kultur nach der Befreiung vergessen oder verkannt wurde. Und dieses Buch trug dazu bei, dass viele Künstler*innen wiederentdeckt, neu aufgelegt und endlich gewürdigt wurden, auch wenn das oftmals beschämend spät, sehr spät geschah. Viele Werke, die nach der Befreiung erst 30, 40 oder 50 Jahre später neu aufgelegt wurden, sind allerdings nur noch antiquarisch zu erwerben. 

Im Laufe der Zeit werde ich hier die Literater*innen und einige ausgewählte Werke, die mich am meisten fasziniert haben, vorstellen. Mir fallen Ernst Toller, Klabund, Franz Jung, Irmgard Keun, Gertrud Kolmar, Albert Ehrenstein, Paul Zech, Ernst Weiss, Rahel Sanzara ein. Dazu gehört auch die unglaublich produktiv gewesene Schriftstellerin Carry Brachvogel, die in dem hier vorgestellten Buch nicht vorkommt, was vielleicht auf die Idee bringen könnte,  eine Fortsetzung des Buches zu schreiben, nämlich das der verbrannten Dichter*innen. 

Gertrud Kolmar (1894 – 1943)

Auf den Fotos ist Gertrud Kolmer als Mädchen und junge Frau zu sehen. Sie hat einen Roman (Die Mutter) und Gedichte geschrieben. Diese Fotos sind wichtig, sie bringen uns die Menschen näher, die nicht weiterleben durften oder konnten. Das Buch enthält viele davon.

Ralph Segert ° 12. März 2021 ° Rubrik Vergessene Literatur