Ratatatam

Eine Filmerzählung auf truffaut.de

14.07.09

In diesem Frühjahr habe ich Truffauts Erstling „Les 400 Coups“ (Sie küßten und sie schlugen ihn) so oft gesehen, dass ich mit einem Schwung Notizen eine recht genaue Nacherzählung schreiben konnte, die ich vorgestern zu Ende gebracht und heute veröffentlicht habe: Filmerzählung: Les 400 Coups. Trotz einiger technischer Mängel ist Les 400 Coups für mich ein vollkommener Film. Warum, darüber werde ich später, wenn Zeit da ist und mich die Lust überkommt, auf truffaut.de schreiben.

Autor: Ralph Segert   Tags:      

Ergiebige Filmsite

05.03.09

Ulrich Behrens hat auf Follow me now eine Website mit zahlreichen Filmrezensionen und Kurzbiografien aufgebaut, die durch eine lebendige und persönliche Art des Schreibens neugierig macht auf vielseitige Filmkunst. Beim Stöbern und Querlesen wurde ich an den Film Ekel (1965) von Roman Polanski erinnert, den ich nicht nur wegen der herausragenden schauspielerischen Leistung von Catherine Deneuve gerne noch einmal sehen möchte.

Autor: Ralph Segert   Tags: ,      

Harvey Milk hätte einen besseren Film verdient

05.03.09

Letztes Wochenende Milk von Gus Van Sant gesehen. Danach wieder gewußt, warum mich „großes Gefühlskino“ langweilt. Ich habe bereits nach einer halben Stunde auf die Uhr geschaut, aber es folgten weitere anderthalb Stunden gepanschte Handlung mit einem austauschbaren Helden, der für den politischen Erfolg leiden und büssen muß. Genial schlicht das zentrale Motiv des Helden, der einfach alles hinter sich läßt, in die weite Welt nach San Franzisco hinauszieht, um im Leben endlich etwas Gutes zu tun. Dies hat er im Bett mit seinem jüngeren Liebhaber beschlossen, den er zufällig auf einer Treppe kennenlernte in einer Weise, als würden sie sich bereits seit hundert Jahren kennen, als würde eine intime Vertrautheit innerhalb von Sekunden entstehen.

In der durch tausend Schnitte, Dokumaterial und Dialogfetzen getarnten Handlungsarmut ohne spannenden roten Faden geht Harvey Milks Idee des Outings fast unter. Sie war einfach da, aus heiterem Himmel wurde ihm klar, wie man den Gegner in die Enge treibt. Erkenntnis reduziert auf hektischen Aktivismus.

Symptomatisch für eine Dramaturgie der Beliebigkeit: Nach dem Erfolg, Milk war bereits Stadtrat, kam der Selbstmord seines hysterischen jungen Freundes hinzu, der für Milks seelischen Frieden ausserhalb der Politik zuständig war. Das brachte die Handlung zwar nicht weiter, aber man konnte kräftig auf die Gefühlstube drücken. Das gemeine Schicksal aber auch!

Milk erzählt einem Tonband sein Leben. Er erzählt sogar fleissig weiter, nachdem er im Film bereits erschossen war. Das reiht sich prima ein in einen Handlungsverlauf, der ein paar politische Niederlagen und Liebesaffären aneinanderreiht, eine typische Zweifelphase eines müden Helden zeigt, die Unvereinbarkeit von politischer Karriere und Glück in der Liebe wiederkäut, eine Frau als rettende PR-Managerin auftauchen und ein paar Mitstreiter zu großen Aktivisten werden läßt, um dann die Süsse des Erfolgs mit ein paar Gags auf das Niveau einer Soap Opera zu heben.

Passend zur Machart eine eintönige Kaufhausmusik, die zu oft zu dudeln anfing. Die Bilder und Dialoge waren in der Tat zu schwach, um für sich allein stehen zu können. Aber auch eine authentische Musikauswahl hätte den Film nicht retten können. Wie man eine politische Filmbiografie spannend und filmästetisch gekonnt macht, sogar über 3 Stunden hinaus, das zeigt das Meisterwerk Malcom X von Spike Lee. Dort sehe ich ein Niveau, das dem Intellekt des Zuschauers vertraut, eine Filmkunst, die vielleicht erst wieder in einer anderen Zeit erreicht werden will.

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Der Konformist (1969)

05.03.09

3sat zeigt heute um 22:25 Uhr Der Konformist (I/F/D 1969, 115 Minuten). Regie führte Bernardo Bertolucci, der auch das Drehbuch nach dem gleichnamigen Roman von Alberto Moravia schrieb.

Autor: Ralph Segert   Tags:      

Truffauts Geburtstag

06.02.09

Heute wäre François Truffaut 77 Jahre alt geworden. Das ist ein Anlaß für mich, mit einem Vorwort die Website Truffaut – Eine Hommage an François Truffaut und den französischen Film zu eröffnen. Weitere Texte werden im Laufe der Zeit entstehen. Ohne Eile und in aller Ruhe.

Autor: Ralph Segert   Tags:   3 Kommentare    

Filmcamp in Berlin

27.11.08

Robert Basic berichtet über das erste Filmcamp, das am kommenden Wochenende in Berlin stattfindet. Klasse Idee! Es ist sehr schade, dass ich jetzt nicht so kurzfristig aus dem Ruhrgebiet wegkomme. Gerne hätte ich teilgenommen, auch in der Hoffnung, ein paar Leute zu treffen, mit denen ich meine Begeisterung für französische Filmklassiker teilen könnte. Immer noch spucken mir Das Irrlicht, Zazie, Auf Wiedersehen Kinder und Black Moon von Louis Malle durch den Kopf, staune ich über Meisterwerke wie Die Hölle, Alice, Süßes Gift (mit einer genialen Isabelle Huppert) von Chabrol und bewundere die Werke von Truffaut, Sautet, Melville und Rivette.

Autor: Ralph Segert   Tags: ,   1 Kommentar    

Die Filme meines Lebens

20.07.08

Als leidenschaftlicher Bewunderer der Nouvelle Vague, als Freund des Autorenfilms und Sammler von Filmen, die dem großen Thema Leben auf der Spur sind, freue ich mich auf die Nacht vom Montag auf den Dienstag. Denn der HR sendet um 00:15 Uhr Elf Uhr Nachts (Pierrot le fou, F./I. 1965) von Jean-Luc Godard. Auf der Suche nach weiteren Informationen über Pierrot le fou, habe ich die Website Mitternachtskino des Regisseurs Björn Last entdeckt. Dort werden zahlreiche internationale Filme vorgestellt, die man nur selten im Fernsehen sieht. Der Filmkenner Björn Last geht es dabei nicht zu sehr um Interpretationen als vielmehr darum, „umfassend zu informieren, den Film qualitativ zu bewerten – ihn vorzustellen. Für jene Filmbegeisterten, die jenseits von normalen Geschichten, gängigen Formen und konventionellen Techniken schauen wollen – für jene Menschen, die völlig (unabhängig vom Alter des Films) neue und andersartige Filme entdecken wollen.“

Das liest sich sehr gut und erinnert mich an meine Idee, die Filme meines Lebens ausführlich vorzustellen, ähnlich wie ich es hier einmal mit Rivettes Die Nonne getan habe. Das Projekt ist langfristig gedacht. Zur Zeit lese ich alles, was ich über und von François Truffaut bekommen kann. Angetan haben es mir auch einige Meisterwerke von Claude Chabrol, Jean-Pierre Melville, Claude Sautet und vor allem Louis Malle, dessen Filme Das Irrlicht (Le Feu Follet, F./I. 1963) und Zazie (Zazie dans le metro, F. 1960) mich nicht mehr loslassen.

Was sind das für geniale Filme und wieviele gibt es noch zu entdecken! Wenn ich die vergleiche mit dem Tatort Schicht im Schacht, den ich mir heute wegen der Ruhrpottkulisse und einer schlechten taz-Besprechung angesehen habe (auf Tatort-Filme, die jünger als 20 Jahre sind, verzichte ich eh immer freiwillig). Eine Zumutung, nicht nur wegen eines Schimanskis, der beim Reden mit Essen spuckt. Dreht man sowas, wenn man keine Phantasie hat oder verachtet man einfach das Publikum? Eine an den Haaren herbeigezogene Story, selbst die Kulisse wirkte bei soviel stümperhafter Dramatik ohne Glaubwürdigkeit. Film und Fernsehen auf den Hund gekommen.

Autor: Ralph Segert   Tags: ,      

Für Filmfreunde und Filmkünstler: re:frame

10.06.08

Golem berichtet über den Filmshop re:frame und titelt: Onlineplattform für exotische Filme. Ein unglücklicher Titel. Filme müssen nicht exotisch sein, wenn sie nur wenige Liebhaber finden oder in wenigen Programmkinos laufen. François Truffaut, Louis Malle, Jacques Rivette und ihre geniale Filmkollegen kennt auch kaum jemand mehr (klingelts wenigstens noch bei Godard und Chabrol? ;-), deshalb aber die Filme der Nouvelle Vague exotisch zu nennen, wäre respektlos gegenüber genialer Filmkunst über das Leben und die Kunst an sich. Filmkunst, die in Zeiten der zum Gähnen langweiligen „Blockbuster“ und der extremen Verflachung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens einen schweren Stand hat. Umso besser, dass sich die Filmplattform re:frame um die wenig wahrgenommen Filmkünstler kümmert und immerhin mit einem Angebot von 500 Filmen startet. Von François Truffaut, den ich sehr verehre, gibt es immerhin schon Jules und Jim von 1962, der Film, der mich auf Truffaut neugierig gemacht und mich sehr berührt hat. Mittlerweile habe ich fast alle Filme von Truffaut, suche aber noch Die amerikanische Nacht (bei Amazon will einer 65 Euro für die DVD haben!), den ich noch nicht gesehen habe und der sein erfolgreichster Film in den USA war. Vielleicht gibt es ihn ja bald auf re:frame.

Autor: Ralph Segert   Tags:      

Die Nonne von Jacques Rivette

04.03.08

Gestern wiedergesehen: „Die Nonne“ („La Religieuse“, 1966), großes Filmwerk von Jacques Rivette nach einem Roman von Denis Diderot („La Religieuse“ von 1760). Schilderung des Lebens der unfreiwilligen Nonne Suzanne Simonin (gespielt von Anna Karina) und ihrer Qualen vom 16. bis zum 20. Lebensjahr. Kämpft mutig für die Anfechtung des unter psychologischem Druck abgegebenen Gelübdes. Wird von einer herzlosen, fanatischen Äbtistin fast bis zum Wahnsinn gequält, darf nach einer erzbischöflichen Untersuchung und mit Glück das Kloster wechseln, leidet dort unter den Nachstellungen der sexhungrigen Äbtistin (gespielt von Liselotte Pulver). Läßt sich von einem Beichtvater zur Flucht überreden, der sie danach zum Sex zwingen will. Flüchtet abermals, lebt eine Zeit im Volk und wird danach zur Kurtisane gemacht, ohne zu wissen, was sie erwartet. Vor Scham stürzt sie sich aus dem Fenster.

Der Film orientiert sich wohl streng am Roman Diderots, der selbst kurz in einem Kloster zwangseingewiesen war. Das religiöse Leben im Ancien Régime wird nicht verteufelt, sondern differenziert dargestellt. Zwänge, politisches Kalkül, Herzlosigkeit überwiegen, aber es wird auch Mitgefühl, Aufrichtigkeit und Vernunft gezeigt. Der Film lebt von genialen Einstellungen, die das Leid des Opfers und das Leben im Kloster aus der Distanz zeigen und dadurch umso eindringlicher machen. Der Film erzählt ohne Umschweife, geradezu schnell, ohne dass dem Rezipienten das auffallen muss. Rivette vermeidet durch kunstvolle Kameraführung die Identifikation mit Tränendrüseneffekt. Gut und böse sind nicht abgegrenzt. Am Ende, wenn das Opfer tot auf dem Steinpflaster liegt, ist auch der Zuschauer befreit und begreift die Ausweglosigkeit, an die ein sensibler, naiver Mensch in einer von religiösen Zwängen geprägten, zu sexueller Versklavung neigenden Gesellschaft zerbrechen kann. Ein tragisches Scheitern wie es überall und jederzeit passieren kann.

Jacques Rivette, geboren 1928, einer der Väter der Nouvelle Vague, ist wie François Truffaut (einer meiner favorisierten Filmkünstler) über Filmkritiken für die „Cahiers du Cinéma“ zur Regie gekommen.

Autor: Ralph Segert   Tags:   5 Kommentare    


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