Ratatatam

Kluges zur Krise

16.12.08

Darf ich der Runde die Frage nach klugen Texten zur Krise stellen, die über Knallfroschrhetorik hinausgehen? Gemein, gewiss, denn allzuviel scheint es nicht zu geben. Entsprechend erwarte ich Sprachlosigkeit, die manchmal auch nicht schlecht sein muss. ;)

Mein Text der Woche zum Thema Krise ist ein Interview mit Wolfgang Schivelbusch. Unter dem Taz-Titel „Demokratie ist ein Wohlstandsprodukt“ zeigt Herr Schivelbusch historisch gesättigten Realitätssinn, der nur gut tun kann und dem engstirnigen Gegenwartsversauern selbstbewusst Parolie zu bieten vermag.

Wolfgang Schivelbusch hat hochinteressante und wunderbar zu lesende Bücher geschrieben, die ich Anfang der 90er Jahre entdeckt habe. Sie zeigen, das nicht nur die Angelsachsen komplexe Themen allgemeinverständlich vermitteln können. Folgende Bücher, Symbiosen aus Wissen und Unterhaltung, möchte ich ans Herz legen: Das Paradies, der Geschmack und die Vernunft – Eine Geschichte der Genussmittel (6. Auflage, 2005, Originalausgabe: Carl Hanser Verlag 1980). Lichtblicke – Zur Geschichte der künstlichen Helligkeit im 19. Jahrhundert (Originalausgabe: Carl Hanser Verlag 1983) und Geschichte der Eisenbahnreise (Originalausgabe: Carl Hanser Verlag 1977).

schivelbusch-buecher

Autor: Ralph Segert   Tags: , ,   1 Kommentar    

Urlaub mit Daddy

06.12.08

Schlaflos mit dem Blogger-Buch werde ich nicht sein und auch das dort beworbene Gewinnspiel wird meine oft abenteuerlichen Schlafnächte nicht stören. Aber die Idee, einen gesprochenen Satz aus einem Lieblingsbuch einzusenden, fand ich recht komod. So habe ich gesprochen einen Satz aus dem Liebesroman Schloß Gripsholm, der uns in diesem sumpfnassen Herbst in vergessene Urlaubserlebnisse rollt. Dem sprachgenialen und tragischen Herrn Tucholsky sei das gedankt.

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Gefiels? Darfs mehr davon sein? Oder einfach in Zukunft die Vorleseschnauze halten? – Edit: Auf Wunsch auch im Format urlaub.ogg.

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Das Blogger-Buch und Der erfolgreiche Webdesigner

05.12.08

Dennis Horn und Daniel Fiene, die Autoren von Das Podcast-Buch, haben nun Das Blogger-Buch geschrieben. Ich vermute, dass die beiden das gut gemacht haben für alle, die einen Einstieg suchen. Die Website zum Buch vermittelt eben diesen Eindruck. Vielversprechend erscheint auch das Buch Der erfolgreiche Webdesigner von Nils Pooker, welches Perun (der oberste Gott der slawischen Mythologie ist nicht gemeint ;) uns aus guten Gründen empfiehlt. Die Idee, den Beruf des Webdesigners aus der Perspektive eines Freiberuflers zu beschreiben, steht mir nahe, hatte ich die bereits vor einigen Jahren im Kopf, um dann keine Lust zu haben, für en Appel und en Ei ein Buch zu schreiben. Denn es is immer viel Arbeit dabei, ich erlebte das Ende 97 am eigenen Leib, als das Online ABC mit Hilfe eines geduldigen Lektors endlich in den Druck gehen konnte. Ich tendiere eh eher zur Prosa, das steht schon mal fest. Immerhin. °L°

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Verschachtelte Bücher

21.11.08

Im Blog Reinseite die faszinierenden Buchskulpturen des Künstlers Brain Dettmer entdeckt.

Buchskulptur von Brain Dettmer

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Inspirationen ohne Farbe

27.10.08

Da tanze ich mit und sage zum Denis: Danke für den Tipp. Dieser führt schnurstracks zum Infodienst Mac Essentials, der uns einen Link zu einem zeitlich begrenzten, kostenfreien Inspirationsbuch namens Schwarz + Weiß — Inspirationen für Designer empfiehlt. Somit können wir uns für 0 Euro plus Versandkosten jenseits von Farbe begeistern lassen. Ich mich allemal, denn ich arbeite gerne mit Schwarz-Weiss-Effekten, vor allem auf Plakaten, die draußen im großen Grau auf Kästen und Glascontainern eine anziehende Wirkung entfalten. ;-)

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Truffaut / Hitchcock

20.07.08

Ich kann gar nicht sagen, wie froh ich bin, dass ich eines der genialsten Bücher über das Filmemachen in der vollständigen Ausgabe mit allen Fotos und in einem sehr guten Zustand bekommen habe: Truffaut / Hitchcock (1999, Diana Verlag).

Truffaut Hitchcock

Aus dem Buch: Truffaut / Hitchcock

Allein das erste Foto beim Aufklappen ist eine Wucht. Der junge Truffaut, der kein Englisch konnte, sitzt da konzentriert, in respektvoller Distanz und mit einem wachen Staunen, während Hitchcock lebendig mit den Händen fuchtelt. Kann man diese berühmte Interview-Situation lebendiger wiedergeben? Ich glaube kaum. ;)

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Zur Kritik an der größten „Datenkrake“

20.05.08

Gerald Reischl, Autor des Buches Die Google-Falle, im FR-Interview namens „Wie ein Computervirus“. Der Autor meint: Google würde auch Suchergebnisse manipulieren. Eines seiner Argumente: Zu Hause würde man andere Suchergebnisse als im Büro bekommen. Diese Erfahrung mache ich oft an ein- und demselben Rechner zu unterschiedlichen Tagen. Warum das genau passiert, müßte erst noch gründlich recherchiert werden.

Unstrittig ist, dass Google unkontrolliert riesige Mengen Daten sammelt und keiner weiss, was gegenwärtig und zukünftig damit geschieht. Das muss aber nicht bedeuten, die „Datenkrake“ zum Sündenbock des Internets zu machen, nur um ein Buch zu füllen. Trotzdem kann jede detaillierte Kritik an der Politik von Google nur dabei helfen, dieser grenzenlosen Naivität, die mir auch bei erfahrenen Internet-Usern gegenüber Google auffällt, Wissen und Vorsicht entgegenzusetzen, denn im Zweifel wird man von den guten und bösen Global-Playern des Internets verraten und verkauft.

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TUBUK für das unabhängige Buch

15.05.08

Über Herrn Paulsen sein Kiosk entdeckt: Die Online-Buchhandlung TUBUK für Bücher von unabhängigen Verlagen. Klasse Idee mit schöner Site, die Leser dazu einlädt, als Bücherscouts Empfehlungen auszusprechen. Selbstaussage: „Wir vertreiben nicht jedes Buch, sondern ganz bewusst junge, innovative Bücher abseits des Massenbetriebs, abseits der gehypten Bestsellerlisten.“ Da kann ich nur Erfolg wünschen.

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Spezialist für Historische Romane

19.04.08

epochenfinder.jpg Ich war gerade einmal einige Stunden in Brügge, da war ich bereits verliebt in diese einzigartige Stadtlandschaft, die wirklich im Land der gräßlichsten Bausünden steht. Brügge bietet ein quierliges Stadtleben und verführt zugleich immer wieder in längst vergangene Zeiten. Auf der Suche nach historischen Romanen, die in Brügge spielen, habe ich dann ohne Umwege die Website historische-romane.de entdeckt. Die Gestaltung ist passend zum Thema und die bereitgestellten Informationen können sich sehen lassen. Den Epochenfinder finde ich nicht nur grafisch gut gelungen, sondern auch sehr informativ. Hier wird der Besucher nicht mit Infohäppchen abgespeist, hier darf gelesen werden. Hier darf man seinen Bildungshunger befriedigen, so dass am Ende vielleicht Lust auf einen historischen Roman aufkommt, der auf dieser Website bestellt werden kann. Das empfehle ich gerne, denn die Betreiberinnen Harriet v. Stauffenberg und Alexandra Plath möchten mit dieser Idee auch Geld verdienen. Es muss ja in der Tat nicht immer Amazon sein, wir sind doch keine Konsumlemminge. ;-)

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Flauberts Beobachtungsgabe

12.03.08

Gustave Flaubert in Lehrjahre des Gefühls, Insel Verlag, 2001, S. 302f:

„Hussonet war nicht gut aufgelegt. Dadurch, dass er täglich über alle möglichen Themen schrieb, viele Zeitungen las, vielen Diskussionen beiwohnte und, um zu beeindrucken, paradoxe Behauptungen von sich gab, hatte er schließlich den genauen Begriff von den Dingen verloren und sich mit den schwachen Raketen seines Geistes selbst blind gemacht. Die Sorgen eines ehemals leichtsinnigen, jetzt aber schwierigen Lebens hielten ihn in dauernder Erregung; und seine Ohnmacht, die er sich nicht eingestehen wollte, machten ihn bissig, sarkastisch.“

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Ein Meister der Zahlenspiele

01.03.08

Bill Bryson zeigt sich in seinem populärwissenschaftlichem Bestseller Eine kurze Geschichte von fast allem als Meister verblüffender Zahlenspiele, die dem Vorstellungsvermögen auf die Sprünge helfen:

Zur Unmöglichkeit, das Sonnensystem in einem korrekten Maßstab abzubilden: Wäre die Erde so groß wie eine Erbse, wäre der Jupiter mehr als 300 Meter entfernt, der Pluto 2,5 km (in der Größe einer Bakterienzelle). Der nächste Fixstern Proxima Centuri läge mit seinen 4,3 Lichtjahren Entfernung bei 15.000 km Abstand.

Zur Größe der Atome schreibt er: “Wollte man ein Pantoffeltierchen mit bloßem Auge in einem Wassertropfen schwimmen sehen, müsste man diesen Tropfen bis auf einen Durchmesser von 12 Metern vergößern. Wollte man jedoch die Atome in diesem Tropfen erkennen, müsste er einen Durchmesser von 23 Kilometern haben.” München 2006, S.168

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4000 Bücher

27.02.08

Ich las, habe vergessen, wer von wem zitiert wurde: Der Mensch schaffe 4000 Bücher in seinem Leben. Ich rechne: Das wären 60 Jahre lang alle 5 Tage ein Buch. Die Wahl ist bei 90.000 neuen Titel im Jahr allein in Deutschland keine einfache Aufgabe – lächerlich erscheinen heute die damaligen Untergangsrufe, als mit der Popularisierung des Internets der Tod des Buches prophezeit wurde. Trotz Internet bleibt es eine Herausforderung, die Bücher zu finden, die mich jenseits der Klischees weiterbringen, die anregen, herausfordern und manchmal sogar zu Schlüsselerlebnissen führen.

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Das Glück der Unschuld

26.02.08

Da der Zufall der „große Meister aller Dinge“ sei, ist es für Luis Buñuel folgerichtig eine lästige und allgegenwärtige „Manie“, alles verstehen zu wollen. Es mache die Dinge mittelmäßig und würdige sie herab.

„Wären wir in der Lage, unser Geschick dem Zufall anzuvertrauen und das Geheimnis unseres Lebens mutig anzunehmen, wären wir einem bestimmten Glück nahe, das der Unschuld ähnelt.“ – Mein letzter Seufzer, Berlin 2004, S. 249ff

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Die Unschuld der Phantasie

26.02.08

Der großartige Filmemacher Luis Buñuel in seinem Erinnerungsbuch Mein letzter Seufzer: Erst im späten Alter von sechzig oder mehr Jahren habe er die „Unschuld der Imagination ganz begriffen“. Frei übersetzt: Keine Sorge bei plötzlich auftauchenden Mord- oder perversen Gedanken, sie gehören allein Dir, denn Deine Phantasie, was immer sie hervorbringe, sei keine „Sünde“, sie sei die „völlige Freiheit“ des Menschen. Berlin 2004, S. 254

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Der arme Verstand

25.02.08

Leseerlebnis erster Güte, hurmorvoll und unterhaltsam: Die Vermessung der Welt von Daniel Kehlmann. Der Naturforscher Alexander von Humboldt und der Mathematiker und Astronom Carl Friedrich Gauß in ihrer Gedankenwelt:

„Aber der Verstand, sagte Humboldt, forme die Gesetze!
Der alte kantische Unsinn. Gauß schüttelte den Kopf. Der Verstand forme gar nichts und verstehe wenig. Der Raum biege und die Zeit dehne sich. Wer eine Gerade zeichne, immer weiter und weiter, erreiche irgendwann wieder ihren Ausgangspunkt. Er zeigte auf die niedrig im Fenster stehende Sonne. Nicht einmal die Strahlen dieses ausbrennenden Sterns kämen auf gerade Linien herab. Die Welt könne notdürftig berechnet werden, aber das heiße noch lange nicht, daß man irgend etwas verstehe.“ – Hamburg 2007, S. 220

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