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Beiträge zum Thema Film

Pop im Flow folgt House im Flow ;)

15.07.09

Kleiner Musiktipp am Rande: In meinem Weblog läuft zur Zeit die Sendung Pop im Flow. ;-) Diese 2 Stunden habe an 5 Tagen in der Woche im Programm. Desweiteren plane ich eine Nacht mit tanzbarer elektronischer Musik von House und Goa über Nu Funk bis Drum & Bass, die 4 Stunden fein gemixt durchlaufen soll. Termin- und Songwünsche durchaus mitteilen.

DJ R. Webradio

Autor: Ralph Segert   Tags:   3 Kommentare    

Ergiebige Filmsite

05.03.09

Ulrich Behrens hat auf Follow me now eine Website mit zahlreichen Filmrezensionen und Kurzbiografien aufgebaut, die durch eine lebendige und persönliche Art des Schreibens neugierig macht auf vielseitige Filmkunst. Beim Stöbern und Querlesen wurde ich an den Film Ekel (1965) von Roman Polanski erinnert, den ich nicht nur wegen der herausragenden schauspielerischen Leistung von Catherine Deneuve gerne noch einmal sehen möchte.

Autor: Ralph Segert   Tags: ,      

Harvey Milk hätte einen besseren Film verdient

05.03.09

Letztes Wochenende Milk von Gus Van Sant gesehen. Danach wieder gewußt, warum mich „großes Gefühlskino“ langweilt. Ich habe bereits nach einer halben Stunde auf die Uhr geschaut, aber es folgten weitere anderthalb Stunden gepanschte Handlung mit einem austauschbaren Helden, der für den politischen Erfolg leiden und büssen muß. Genial schlicht das zentrale Motiv des Helden, der einfach alles hinter sich läßt, in die weite Welt nach San Franzisco hinauszieht, um im Leben endlich etwas Gutes zu tun. Dies hat er im Bett mit seinem jüngeren Liebhaber beschlossen, den er zufällig auf einer Treppe kennenlernte in einer Weise, als würden sie sich bereits seit hundert Jahren kennen, als würde eine intime Vertrautheit innerhalb von Sekunden entstehen.

In der durch tausend Schnitte, Dokumaterial und Dialogfetzen getarnten Handlungsarmut ohne spannenden roten Faden geht Harvey Milks Idee des Outings fast unter. Sie war einfach da, aus heiterem Himmel wurde ihm klar, wie man den Gegner in die Enge treibt. Erkenntnis reduziert auf hektischen Aktivismus.

Symptomatisch für eine Dramaturgie der Beliebigkeit: Nach dem Erfolg, Milk war bereits Stadtrat, kam der Selbstmord seines hysterischen jungen Freundes hinzu, der für Milks seelischen Frieden ausserhalb der Politik zuständig war. Das brachte die Handlung zwar nicht weiter, aber man konnte kräftig auf die Gefühlstube drücken. Das gemeine Schicksal aber auch!

Milk erzählt einem Tonband sein Leben. Er erzählt sogar fleissig weiter, nachdem er im Film bereits erschossen war. Das reiht sich prima ein in einen Handlungsverlauf, der ein paar politische Niederlagen und Liebesaffären aneinanderreiht, eine typische Zweifelphase eines müden Helden zeigt, die Unvereinbarkeit von politischer Karriere und Glück in der Liebe wiederkäut, eine Frau als rettende PR-Managerin auftauchen und ein paar Mitstreiter zu großen Aktivisten werden läßt, um dann die Süsse des Erfolgs mit ein paar Gags auf das Niveau einer Soap Opera zu heben.

Passend zur Machart eine eintönige Kaufhausmusik, die zu oft zu dudeln anfing. Die Bilder und Dialoge waren in der Tat zu schwach, um für sich allein stehen zu können. Aber auch eine authentische Musikauswahl hätte den Film nicht retten können. Wie man eine politische Filmbiografie spannend und filmästetisch gekonnt macht, sogar über 3 Stunden hinaus, das zeigt das Meisterwerk Malcom X von Spike Lee. Dort sehe ich ein Niveau, das dem Intellekt des Zuschauers vertraut, eine Filmkunst, die vielleicht erst wieder in einer anderen Zeit erreicht werden will.

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Der Konformist (1969)

05.03.09

3sat zeigt heute um 22:25 Uhr Der Konformist (I/F/D 1969, 115 Minuten). Regie führte Bernardo Bertolucci, der auch das Drehbuch nach dem gleichnamigen Roman von Alberto Moravia schrieb.

Autor: Ralph Segert   Tags:      

Truffauts Geburtstag

06.02.09

Heute wäre François Truffaut 77 Jahre alt geworden. Das ist ein Anlaß für mich, mit einem Vorwort die Website Truffaut – Eine Hommage an François Truffaut und den französischen Film zu eröffnen. Weitere Texte werden im Laufe der Zeit entstehen. Ohne Eile und in aller Ruhe.

Autor: Ralph Segert   Tags:   3 Kommentare    

Stöckchen BigiPhone

12.12.08

Was habe ich angerichtet? Ich bin auf einen „blöden Abklatsch“ hereingefallen! Dabei hätte ich dieses Linkverbreitungsgewinnspiel links liegen gelassen, wenn mir nicht BigiPhone vs stürmige Brombeere eingefallen wäre. Jetzt bin ich dabei und will gewinnen. Warum? Nicht weil ich gierig auf das BigiPhone wäre, sondern weil ich das „iPhone 3G 8GB ohne Simlock“ ruckzuck in einer Blogaktion durchreichen würde. Und zwar für einen Wettbewerb mit Köpfchen, garantiert ohne das glücksselige Google-Ranking. Problem nur: Zur Zeit dümpel ich mit meinem Text über das BigiPhone auf Platz 5 bis 7, so dass ich in den letzten sieben Tagen des Wettbewerbs auf Eure Linkgutschriften angewiesen bin. Wer also mit mir Abklatschen will, verlinke einfach irgendwie intelligent meinen Text übers BigiPhone – als wärs ein Stöckchen, com egal getz!

Autor: Ralph Segert   Tags: ,   3 Kommentare    

Filmcamp in Berlin

27.11.08

Robert Basic berichtet über das erste Filmcamp, das am kommenden Wochenende in Berlin stattfindet. Klasse Idee! Es ist sehr schade, dass ich jetzt nicht so kurzfristig aus dem Ruhrgebiet wegkomme. Gerne hätte ich teilgenommen, auch in der Hoffnung, ein paar Leute zu treffen, mit denen ich meine Begeisterung für französische Filmklassiker teilen könnte. Immer noch spucken mir Das Irrlicht, Zazie, Auf Wiedersehen Kinder und Black Moon von Louis Malle durch den Kopf, staune ich über Meisterwerke wie Die Hölle, Alice, Süßes Gift (mit einer genialen Isabelle Huppert) von Chabrol und bewundere die Werke von Truffaut, Sautet, Melville und Rivette.

Autor: Ralph Segert   Tags: ,   1 Kommentar    

Laufen im Schnee: Spritzplatschnass

24.11.08

Spätestens seit Murakamis Buch Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede weiss ich jede billige Ausrede meines Körpers und seines Freundes (das ist der innere feige Faulsack) mit aller Härte zu kontern. Schließlich geht es um die Verhinderung des gemeinen biertrainierten Schmerbauchs. Den Plauzen-Paul und Wampen-Olli hebe ich mir für die Pflegestufe 3 auf. Denn die Wampe im Alter habe ich geerbt. Tue ich nichts, kommt sie und das sieht einfach Scheisse aus. Also ging ich heute Laufen. Über weisse Landschaften wirst du schweben, dachte ich. Von wegen schweben! Schwimmen vielleicht. Im Ruhrgebiet fällt Schnee nur, um gleich zu Matschbrei und weitläufigen Seen zu werden. Nicht nur auf der Straße, auch im Vorstadtwald, im Stadtpark, in Grünzonen jeder Art. Wer erst vor 20 Jahren geboren und niemals den Pott verlassen, wird nichts anderes kennen. Schnee ist hier Matsche, der fällt bereits als Matsche. Und was für eine Matsche! Den ersten Kilometer lief ich, als wollte ich Clusterbomben von Rheinmetall ausweichen. Die wenigen Spaziergänger, die ich traf, verdrückten sich spritzgeschützt in gestrüppgesäumte Seitengassen und schauten mich an, als käme ich von den Polkappen. Und wie die Matsche spritzte! Selbst die Meise im Dickicht duckte sich und zeterte, Scheiß Wetter oder so. Derweil übersah ich vor lauter Fluchen das heimelige Weiss der Bäume. Besonders gemein waren diese mit einer verlockenden hauchzartdünnen Eisschicht getarnten metertiefen Pfützen, in die ich mit Vorliebe hineinsprang, bis mir das kalte Wasser an den Füssen einfach scheissegal war. Echt! Waren ja nur noch 7 Kilometerkes. Also tröstete ich mich mit der Erfahrung des Strandgängers bei Ebbe zu kalter Jahreszeit und den Sprüngen über Flüsse im Sand, die oft mindestens mit nem nasskalten Fuss endeten. Wobei der Fuss aber trotzig mit Erwärmung konterte. Füsse sind das! Füsse müssen was besonders sein. Und so war es auch heute beim Hüpfen, Springen und Matschen. Bin einfach halbfröhlich ohne Lauern auf die nächste Untiefe weitergelaufen, habe einfach den feigen Faulsack ignoriert und bin nicht zurück ins warme Heim, nein! Spritz, Platsch, Nass, echt gezz, scheissegal. Schau nur an die weisse Pracht der Bäume — und die Luft! Obwohl. Unweit tobten bereits die Vorboten des feinstaubigen Ich-hetz-nach-Hause-Verkehrs. Aber auch das tangierte mich nicht. So lief ich auf Wasser jeder Art locker meine Runde und wünsche mir für Morgen endlich Schnee, der endlich hält, was er verspricht. Wehe, wenn nicht, doo!

Autor: Ralph Segert   Tags: ,   1 Kommentar    

Abschweifen mit Karl-Heinz Bechmann

19.11.08

Vor Monaten zufällig in einer Westerholter Dorfkneipe den ehemaligen Schalker Fussballspieler Karl-Heinz Bechmann kennengelernt. Ein auf Anhieb sympathischer Mann, der mit Stan Libuda zusammengespielt hat und beim ersten Bundesligaspiel der Knappen dabei war. Wir unterhielten uns eine Zeit über die aktuelle Schalker Misere. Später offenbarte er bescheiden, dass er in den 60er Jahren für 04 in der Bundesliga gespielt hat.

Verena, er und ich waren uns zuvor einig, dass der Nutella-Mann aus Panama eine Pfeife ist. Nicht, weil er viel verdient — dieses ständige empörte Hinweisen auf die „Millionen“ der Profis und die daran geknüpfte Erwartung, dass sie wie Mainzelmännchen perfekt zu funktionieren haben, nervt nur noch! — Auch nicht, weil wir keine Geduld hätten, sondern weil die gesetzte 22 das Fussballerherz zu oft aufs Gröbste verletzt hat mit katastrophalen Ballannahmen. Vom verweigerten Handschlag will ich gar nicht erst anfangen.

Ups, das nennt man abschweifen, dabei wollte ich noch etwas über Herrn Bechmann loswerden. Da gibt es nicht nur Fotos aus seiner Zeit (diese Trikots, genial schlicht!), sondern auch einen beachtlichen Fairnisswert: 0 Karten in 143 Bundesliga- und 20 Oberliga-Spielen.

Autor: Ralph Segert   Tags: ,      

Runterkommen und einen Film geniessen

05.11.08

Den Rechner ausschalten, von Obama runterkommen, schnell die Glotze an, noch schneller auf arte umschalten und ab 23.40 Uhr auf den folgenden Film von Ivo Trajkov gespannt sein: Der Tag, als Stalins Hose verschwand (Mazedonien/Tschechische Republik/USA 2004). Einige Szenenbilder, die vielleicht Lust drauf machen.

Autor: Ralph Segert   Tags:      

Cornelia Suhan

02.11.08

Ausschnitt aus einem Foto von Cornelia Suhan Heute stöberte ich in den Kommentaren von Dos Ron, der übrigens seit Jahren den häßlichen und schönen Seiten des Dortmunder Bauwesens und Lebens auf der Spur ist, die Stadt erscheint, so wie sie halt ist. Bei Dos Ron also entdeckte ich einen Link zur Fotografin Cornelia Suhan aus Dortmund. Sie macht nicht nur sehr intensive Reportagefotos und sozial engagierte Fotografie, sondern auch Architekturfotografie wie aus dem Bilderbuch. So ergibt sich ein schönes Spannungsverhältnis ihres Könnens. Zudem werden ihre Bilder auf einer gut gemachten Flash-Site präsentiert. Sehenswert alles, also gucken gezz. ;)

Autor: Ralph Segert   Tags: ,   1 Kommentar    

Truffaut / Hitchcock

20.07.08

Ich kann gar nicht sagen, wie froh ich bin, dass ich eines der genialsten Bücher über das Filmemachen in der vollständigen Ausgabe mit allen Fotos und in einem sehr guten Zustand bekommen habe: Truffaut / Hitchcock (1999, Diana Verlag).

Truffaut Hitchcock

Aus dem Buch: Truffaut / Hitchcock

Allein das erste Foto beim Aufklappen ist eine Wucht. Der junge Truffaut, der kein Englisch konnte, sitzt da konzentriert, in respektvoller Distanz und mit einem wachen Staunen, während Hitchcock lebendig mit den Händen fuchtelt. Kann man diese berühmte Interview-Situation lebendiger wiedergeben? Ich glaube kaum. ;)

Autor: Ralph Segert   Tags:      

Die Filme meines Lebens

20.07.08

Als leidenschaftlicher Bewunderer der Nouvelle Vague, als Freund des Autorenfilms und Sammler von Filmen, die dem großen Thema Leben auf der Spur sind, freue ich mich auf die Nacht vom Montag auf den Dienstag. Denn der HR sendet um 00:15 Uhr Elf Uhr Nachts (Pierrot le fou, F./I. 1965) von Jean-Luc Godard. Auf der Suche nach weiteren Informationen über Pierrot le fou, habe ich die Website Mitternachtskino des Regisseurs Björn Last entdeckt. Dort werden zahlreiche internationale Filme vorgestellt, die man nur selten im Fernsehen sieht. Der Filmkenner Björn Last geht es dabei nicht zu sehr um Interpretationen als vielmehr darum, „umfassend zu informieren, den Film qualitativ zu bewerten – ihn vorzustellen. Für jene Filmbegeisterten, die jenseits von normalen Geschichten, gängigen Formen und konventionellen Techniken schauen wollen – für jene Menschen, die völlig (unabhängig vom Alter des Films) neue und andersartige Filme entdecken wollen.“

Das liest sich sehr gut und erinnert mich an meine Idee, die Filme meines Lebens ausführlich vorzustellen, ähnlich wie ich es hier einmal mit Rivettes Die Nonne getan habe. Das Projekt ist langfristig gedacht. Zur Zeit lese ich alles, was ich über und von François Truffaut bekommen kann. Angetan haben es mir auch einige Meisterwerke von Claude Chabrol, Jean-Pierre Melville, Claude Sautet und vor allem Louis Malle, dessen Filme Das Irrlicht (Le Feu Follet, F./I. 1963) und Zazie (Zazie dans le metro, F. 1960) mich nicht mehr loslassen.

Was sind das für geniale Filme und wieviele gibt es noch zu entdecken! Wenn ich die vergleiche mit dem Tatort Schicht im Schacht, den ich mir heute wegen der Ruhrpottkulisse und einer schlechten taz-Besprechung angesehen habe (auf Tatort-Filme, die jünger als 20 Jahre sind, verzichte ich eh immer freiwillig). Eine Zumutung, nicht nur wegen eines Schimanskis, der beim Reden mit Essen spuckt. Dreht man sowas, wenn man keine Phantasie hat oder verachtet man einfach das Publikum? Eine an den Haaren herbeigezogene Story, selbst die Kulisse wirkte bei soviel stümperhafter Dramatik ohne Glaubwürdigkeit. Film und Fernsehen auf den Hund gekommen.

Autor: Ralph Segert   Tags: ,      

Für Filmfreunde und Filmkünstler: re:frame

10.06.08

Golem berichtet über den Filmshop re:frame und titelt: Onlineplattform für exotische Filme. Ein unglücklicher Titel. Filme müssen nicht exotisch sein, wenn sie nur wenige Liebhaber finden oder in wenigen Programmkinos laufen. François Truffaut, Louis Malle, Jacques Rivette und ihre geniale Filmkollegen kennt auch kaum jemand mehr (klingelts wenigstens noch bei Godard und Chabrol? ;-), deshalb aber die Filme der Nouvelle Vague exotisch zu nennen, wäre respektlos gegenüber genialer Filmkunst über das Leben und die Kunst an sich. Filmkunst, die in Zeiten der zum Gähnen langweiligen „Blockbuster“ und der extremen Verflachung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens einen schweren Stand hat. Umso besser, dass sich die Filmplattform re:frame um die wenig wahrgenommen Filmkünstler kümmert und immerhin mit einem Angebot von 500 Filmen startet. Von François Truffaut, den ich sehr verehre, gibt es immerhin schon Jules und Jim von 1962, der Film, der mich auf Truffaut neugierig gemacht und mich sehr berührt hat. Mittlerweile habe ich fast alle Filme von Truffaut, suche aber noch Die amerikanische Nacht (bei Amazon will einer 65 Euro für die DVD haben!), den ich noch nicht gesehen habe und der sein erfolgreichster Film in den USA war. Vielleicht gibt es ihn ja bald auf re:frame.

Autor: Ralph Segert   Tags:      

Quiet Earth und ein Traum

21.03.08

Quiet Earth Zum ersten Mal das Endzeit-Drama Quiet Earth von Geoff Murphy gesehen, gedreht 1985 in Neuseeland nach einem Roman von Craig Harrison. Mit bedrückendem Realismus in Szene gesetzt, überzeugende Handlung mit einem Minimum an zum Gähnen bringenden Klischees, mit überraschenden Wendungen, wenn wir es nicht erwarteten. Das Gefühl, wie schlagartig alles wertlos würde, wäre man ganz allein auf der Welt; wie nah auch am Wahnsinn. In der Nacht darauf träumte ich intensiv. So dunkelte sich immer wieder die Sonne vollständig ab, ich schien das als Einziger zu bemerken. Tag und Nacht wechselten im Minutentakt. Dann schlingerte die Sonne trunken über einen schwarzen Himmel, ich fühlte die Erde rasen und wusste, es ist gleich aus mit uns. Schrecken und schnelles Abfinden, dann das Bedauern, dass man danach nichts darüber in der Zeitung lesen könne, geschweige denn darüber bloggen. So ein Erlebnis ohne Feedback! Das beträfe jetzt ausnahmslos alle Menschen, war ein Trost im Traum.

Autor: Ralph Segert   Tags:   2 Kommentare    

Die Nonne von Jacques Rivette

04.03.08

Gestern wiedergesehen: „Die Nonne“ („La Religieuse“, 1966), großes Filmwerk von Jacques Rivette nach einem Roman von Denis Diderot („La Religieuse“ von 1760). Schilderung des Lebens der unfreiwilligen Nonne Suzanne Simonin (gespielt von Anna Karina) und ihrer Qualen vom 16. bis zum 20. Lebensjahr. Kämpft mutig für die Anfechtung des unter psychologischem Druck abgegebenen Gelübdes. Wird von einer herzlosen, fanatischen Äbtistin fast bis zum Wahnsinn gequält, darf nach einer erzbischöflichen Untersuchung und mit Glück das Kloster wechseln, leidet dort unter den Nachstellungen der sexhungrigen Äbtistin (gespielt von Liselotte Pulver). Läßt sich von einem Beichtvater zur Flucht überreden, der sie danach zum Sex zwingen will. Flüchtet abermals, lebt eine Zeit im Volk und wird danach zur Kurtisane gemacht, ohne zu wissen, was sie erwartet. Vor Scham stürzt sie sich aus dem Fenster.

Der Film orientiert sich wohl streng am Roman Diderots, der selbst kurz in einem Kloster zwangseingewiesen war. Das religiöse Leben im Ancien Régime wird nicht verteufelt, sondern differenziert dargestellt. Zwänge, politisches Kalkül, Herzlosigkeit überwiegen, aber es wird auch Mitgefühl, Aufrichtigkeit und Vernunft gezeigt. Der Film lebt von genialen Einstellungen, die das Leid des Opfers und das Leben im Kloster aus der Distanz zeigen und dadurch umso eindringlicher machen. Der Film erzählt ohne Umschweife, geradezu schnell, ohne dass dem Rezipienten das auffallen muss. Rivette vermeidet durch kunstvolle Kameraführung die Identifikation mit Tränendrüseneffekt. Gut und böse sind nicht abgegrenzt. Am Ende, wenn das Opfer tot auf dem Steinpflaster liegt, ist auch der Zuschauer befreit und begreift die Ausweglosigkeit, an die ein sensibler, naiver Mensch in einer von religiösen Zwängen geprägten, zu sexueller Versklavung neigenden Gesellschaft zerbrechen kann. Ein tragisches Scheitern wie es überall und jederzeit passieren kann.

Jacques Rivette, geboren 1928, einer der Väter der Nouvelle Vague, ist wie François Truffaut (einer meiner favorisierten Filmkünstler) über Filmkritiken für die „Cahiers du Cinéma“ zur Regie gekommen.

Autor: Ralph Segert   Tags:   5 Kommentare    


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