Ratatatam

Spezialist für Historische Romane

19.04.08

epochenfinder.jpg Ich war gerade einmal einige Stunden in Brügge, da war ich bereits verliebt in diese einzigartige Stadtlandschaft, die wirklich im Land der gräßlichsten Bausünden steht. Brügge bietet ein quierliges Stadtleben und verführt zugleich immer wieder in längst vergangene Zeiten. Auf der Suche nach historischen Romanen, die in Brügge spielen, habe ich dann ohne Umwege die Website historische-romane.de entdeckt. Die Gestaltung ist passend zum Thema und die bereitgestellten Informationen können sich sehen lassen. Den Epochenfinder finde ich nicht nur grafisch gut gelungen, sondern auch sehr informativ. Hier wird der Besucher nicht mit Infohäppchen abgespeist, hier darf gelesen werden. Hier darf man seinen Bildungshunger befriedigen, so dass am Ende vielleicht Lust auf einen historischen Roman aufkommt, der auf dieser Website bestellt werden kann. Das empfehle ich gerne, denn die Betreiberinnen Harriet v. Stauffenberg und Alexandra Plath möchten mit dieser Idee auch Geld verdienen. Es muss ja in der Tat nicht immer Amazon sein, wir sind doch keine Konsumlemminge. ;-)

Autor: Ralph Segert   Tags: ,   2 Kommentare    

Permanente Ablenkung und Gesprächskultur

10.04.08

Der Mangel an Konzentration, der nach der re:publica beklagt wurde, scheint bedingt durch ein Zuviel an beliebigen Themen im Internet der potenzierten Information ohne Relevanz und Gewicht. Vielleicht spielt auch die als cool und hip empfundene Fähigkeit zur permanenten Ablenkung eine Rolle, verstärkt durch Erkenntnissuche ohne Mühe, die sich auf getwitterte Infohäppchen und Meinungspenetranz im SMS-Format beruft. Der Gedanke, dass im Hinblick auf die Gesprächskultur technischer Fortschritt kultureller Rückschritt bedeute, ist ein erster Schritt, Klagen Nachdenken folgen zu lassen.

Hingeworfene Gedanken dazu: Fetisch Technik. Formzwang. Das Format eines Inhalts und seine Adresse bestimmen seine Relevanz, nicht die Aussage selbst. Webgetragene Hypes ersetzen Bildung und die Mühe (mit späterem Genuß), sie sich anzueignen. Aufmerksamkeitssucht, Trittbrettkommunikation und Wichtigtuerei blähen Techniken der Webkommunikation auf, so wird wichtig, was banal ist. Die Angst, etwas zu verpassen, bewirkt Lesen in Scannermanier, ohne das wirklich etwas hängenbleibt, was Erkenntnis bewirkt, vertieft, anstößt. Die Masse echter und falscher Information und ihr wildwucherndes Gemenge untergräbt die Urteilsfähigkeit und den fruchtbaren Dialog. Erinnerungsvermögen schult sich an Konzentration mit Vertiefung eines breitgestreuten Wissens, information-overflow bewirkt das Gegenteil von emphatischem Interesse.

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Krankengeschichten und Todesängste

02.04.08

Von dem Artikel Hypochonder und das Netz: Krank durch und im Web fühle ich mich als zur Hypochondrie neigender Mensch angesprochen, lese aber bei anbahnenden Leiden keine Meinungen und Erfahrungsberichte aus dem Web, denn das kann in der Tat kränker machen, als man ist. So krank bin ich dann auch nicht. ;-)

Autor: Ralph Segert   Tags: ,      

Flüchtling 2.0

01.04.08

StudiVZ macht Rückzieher titelt die FR und meint damit die nicht wahrgemachte Drohung, jene Mitglieder zu löschen, die den neuen AGB und Datenschutzrichtlinien nicht zugestimmt hätten. Das Konkurrenzprodukt “Kaioo” sammelt derweil “gelöschte Personen” und “Flüchtlinge”. Fehlt jetzt noch ein Tool zur Wiederbelebung digitaler Web 2.0-Leichen.

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Anruf einer Suchenden

25.03.08

Heute kam ein Anruf von einer älteren Dame, die noch gelernt hat, ins Telefon zu schreien. Sie fragte, ob hier die Aldi-Zentrale sei. Ich verneinte und fragte zurück, wie sie darauf käme. Hier stünde Ralph Segert im Impressum. Ich stutzte und dachte, was macht Aldi mit meinem Impressum. Auf welcher Seite sie das gefunden hätte, hakte ich nach. Sie wäre in Google gewesen und hätte die Wörter eingegeben und in dieser Liste hätte sie geklickt. Sie zitierte das Impressum und sagte noch Ruhrpottbilder. Verstehe, gab ich zurück. Das sei doch nur ein Foto von mir, klärte ich auf. Ach so, gab sie unberührt zurück und fragte pragmatisch, ob ich nicht die Telefonnummer der Aldi-Zentrale wüsste. Ich verneinte. Und bevor ihr noch einen Tipp für die erfolgreiche Suche geben konnte, war sie schon weg.

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Hyperlink-Falle und Webpranger

21.03.08

Ich stelle mir vor, ein falscher Klick auf einen Link und wenig später stünden Beamte des Bundeskriminalamtes vor der Tür. Ich hätte verbotene Websites besucht, sie hätten einen Durchsuchungsbefehl. Der Link wäre zwar ein Fake gewesen, aber allein die Absicht sei strafbar. – ? – In den USA sind staatliche Behörden um eine solche Argumentation nicht verlegen. Dort kann allein reine Neugier richtig gefährlich werden, wenn man einer Hyperlink-Falle nicht wiederstehen kann: FBI lockt Surfer in die Falle.

Das chinesische Regime dagegen inszeniert das Internet als Pranger und macht es zu einem Teil des Fahndungsappartes mit Hilfe von yahoo.com und Fahndungsfotos aus Überwachungskameras. Der chinesische Staat ist zudem wohl der erfahrenste, was Internetzensur und -konrolle angeht. China fahndet im Internet nach Verdächtigen für die Unruhen in Lhasa. Apropos Unruhen in Lhasa: Der Spiegelfechter fragt: Blutige Niederschlagung oder Pogrom?. Auch hier gilt, mit schablonenhaftem Denken kommt man der Sache nicht näher.

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Blogger gesucht

19.03.08

Dass meine diversen Aufrufe zum Mitschreiben in Weblogs wie Orwellness und Konsumblog keinen Erfolg mehr haben, liegt daran, dass die Lust auf freiwillige Mitarbeit wohl eher schwach ausgeprägt ist und dass es mittlerweile doch recht viele Aufrufe zum Mitschreiben gibt. Desweiteren gibt es zunehmend auch Angebote mit Aussicht auf Entlohnung, wie die Website Bloggerjobs zeigt – via Web Standards in Germany.

Autor: Ralph Segert   Tags: ,   3 Kommentare    

Über die fatale Trägheit der User

17.03.08

Richard Stallmann, der “praktizierende Atheist”, erzählt im Interview mit der taz über seine “drei Freiheiten” für den Gebrauch von Software, über die Propaganda für “geistiges Eigentum” und die “soziale Trägheit” der User:

“Das ist doch Wahnsinn. Die Tatsache, dass Sie eine Kopie von etwas weitergeben, das Sie gekauft haben, macht sie zum ‘Piraten’, zu einem Illegalen. Viele Menschen denken: ‘Hier geht es nur um Computer, das geht mich nichts an.’ Aber es geht darum, in welcher Gesellschaft wir leben wollen.”

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Mobben und bewerten im Internet

14.03.08

Die FR online über Cyber-Mobbing: Von der öffentlichen Bloßstellung der Ex-Freundin bis zur Bloßstellung von Schuldnern: Wenn das Internet zum Pranger wird. In der gleichen Ausgabe das Thema Bewertungsportale und ihre zunehmende Bedeutung für Konsumenten und Anbieter von Produkten und Dienstleistungen. Neben Missbrauch durch PR-Agenturen und Schmähschreiber würden die Vorteile für die “Verbraucher” und für die Werbewirtschaft überwiegen.

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Internet, Information und fehlende Filter

12.03.08

Umberto Eco im FR-Interview: “Ich mag technischen Schnickschnack”. Meint seine 250 GB Festplatte, auf die er “den kompletten Inhalt der italienischen National-Bibliothek draufgepackt” habe. Wettert gegen das “alberne” Unterfagen, das Internet gegen Bücher auszuspielen, fordert “neue Form der Ausbildung” in Schulen, damit aus der Informationsflut das Relevante herausgefiltert werden könne. Findet “prinzipiell dumm”, Musik beim Spazierengehen zu hören, entsprechend mag er den iPod nicht.

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Life Caching

28.02.08

Die totale Speicherung des persönlichen Lebens. Gordon Bell liege bei 300.000 Datensätzen mit 150 GB. Industrie und Militär sehr interessiert an der totalen Protokollierung. – Life Caching als “Megatrend” und welche Technik für Trendbewusste zum Einsatz kommt. Was wird aus dem Vergessen?

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Netzvergangenheit 2.0 bitte löschen

24.02.08

Sich im Web auszuziehen und gedankenlos die eigene Privatsphäre temporär aufzugeben, ist offenkundig das, was das Web 2.0 ausmacht. “Vulgäre Sucht nach kurzfristiger Prominenz” nennt der Soziologe Wolfram Sofsky das und die Frankfurter Rundschau klärt in dem Artikel Nach dem digitalen Exhibitionismus über die Folgen auf, die die allzu offenherzige Preisgabe persönlicher Vorlieben, Fotos, Podcasts und Videos für manchen “Social-Networker” haben könnte.

Da suchten Personalchefs gezielt nach Personeninformationen und fänden Fotos von Besäufnissen oder peinliche “Blödelvideos”. Dass das keinen guten Eindruck macht, ist klar. Dass man das später bereut, kommt wohl zunehmend häufiger vor. Und dass auch die Entblössungen in Videos zunehmend besser gefunden würden, dafür sorgten Suchmaschinen wie Blinkx. Die durchsucht Videos und Audio-Podcasts nach Stichwörtern: “40 Großrechner durchstöbern permanent das Web und verschlagworten per Spracherkennung die Schnipsel automatisch”.

Die Personenrecherche im Internet wird zur Selbstverständlichkeit – “34 Prozent aller Personalchefs nutzen gezielt das Internet”. Zugleich wächst das Bedürfnis nach Anonymität. Das ruft findige Geschäftsleute auf den Plan. Sie entwickeln Suchmaschinen wie yasni.de – Slogan: Was weiss das Netz über Dich? -, die auf Personenprofile spezialisiert sind. Das Ziel dieser Dienste ist, “Biografische Daten, Adresse, Telefonnummer, Fotos, Blog-Einträge, Amazon-Wunschlisten und Clubmitgliedschaften ganz ohne mühsames Googlen” zusammenzustellen.

Dienstleister wie Deinguterruf.de versprechen dagegen unter dem Slogan “Suchen, Schützen, Entfernen” die Wiederherstellung der Anonymität mit Entfernung peinlicher Entgleisungen im Netz. Da die Betreiber sozialer Software nicht zu einer Löschung gezwungen werden können, setzt die Firma auf Kooperation. Entsprechend kostet die Entfernung eines einziges Eintrags 24,95. Macht mit Trinkgeld 25 Euro. Umtriebigen und lautstarken sozialen Netzwerkern käme eine Entsorgung ihrer Netzoffenbarungen unter Umständen teuer zu stehen.

Autor: Ralph Segert   Tags:   2 Kommentare    

Asoziale Software und soziale Suche

12.02.08

Zeitlich gesehen ist die folgende Meldung ne olle Kamelle, trotzdem zeigt sie, wie asozial soziale Software sein kann. So habe Facebook um die Jahreswende zahlreiche User vergrault, weil es die Weihnachtseinkäufe an Freunde und Verwandte ausgeplaudert habe: “Hey! Dein Bekannter Michael hat sich gerade das Computerspiel Lego Star Wars gekauft.” Das hat ja nicht nur Nachteile, man bedenke, wie cool das ist, wenn man vorher weiss, was für eine Scheisse man wieder geschenkt bekommt. Da kann man sich seelisch bereits aufs Umtauschen vorbereiten.

Aber Späßchen beiseite, einigen sozialen Netzwerkern scheint der Ausverkauf ihrer Daten schon länger nicht zu gefallen und sie kämpfen für A Bill of Rights for Users of the Social Web (deutsche Übersetzung von Thomas Kalka). Ob man damit aber das, was erfolgreiche soziale Netzwerke so scheinbar wertvoll und faktisch teuer macht, entschärfen kann, nämlich den gläsernen User zu etablieren, der gezielt mit Werbung angesprochen werden soll und dessen persönliche Daten dafür ausgewertet werden, bleibt abzuwarten.

Andererseits zeigen die Proteste der jüngsten Vergangenheit, ob bei Xing, Facebook oder studieVZ, dass ohne das Prinzip der Freiwilligkeit soziale Netzwerke nicht funktionieren können (ausser das Netzwerk für Schafe). So wird wohlmöglich die Option gezielter Datenfreigabe das wichtigste Feature sozialer Software, auch wenn klar ist, dass Auswertung, Verkauf und Tausch millionenfacher persönlicher Daten längst stattfindet.

Andererseits behagt es mir nicht mehr, soziale Netzwerke pauschal in die Ecke der Privatsphärenkiller zu stellen. Linke Affekte blockieren das Nachdenken. Zum Beispiel darüber, ob die Arbeit neuer Start-ups vielversprechend und usernützlich werden wird, Suchmaschinen zu entwickeln, die die (freiwilligen) Daten sozialer Netzwerke finden und auswerten. Hier wird meiner Meinung nach an der Suchmaschine der Zukunft gearbeitet, Google ist wohl erst der Anfang intelligenter Suchmaschinentechnologie.

Ich stelle mir vor, ich suche Usererfahrungen zu bestimmten Produkten. Welche Zeitersparnis, wenn ich mich nicht mehr durch den Wust reiner Produktangebote oder Preisvergleiche kämpfen müsste, sondern gleich alle relevanten Erfahrungs- und Testberichte gelistet bekäme. Oder ich möchte etwas über einen Film, Schriftsteller oder Schauspieler aus der Sicht der Fans und Kritiker wissen, die im Web darüber geschrieben haben. Oder denken wir an fachlich orientierte Netzwerke, die Problemlösungen veröffentlicht hätten, deren Ergebnisse mir nach einer Suchanfrage ohne lästige Penetranz von Marktführern präsentiert würden.

Über die kollektive Leistung der Netzwerk-Nutzer allein in Sachen Tagging berichtet der Artikel Suchen im Netz der Nutzer in der aktuellen Technology Review. Darin wird der Internetdienst Librarything.com vorgestellt, der Usern anbietet, ihre gesamten Bücher zu registrieren und mit Schlagworten und Kommentaren zu versehen. “Auf diese Weise ist seit Mitte 2006 ein kollektiver Katalog mit rund zwanzig Millionen Einträgen entstanden.”

Das ist nicht nur im Hinblick auf das urmenschliche Mitteilungsbedürfnis und seine große Bedeutung für soziale Netzwerke faszinierend, es vermittelt auch eine Ahnung davon, dass “Wissen teilen” mit Wikipedia und Social Bookmarking erst der Anfang ist. Man stelle sich nur einmal Luhmanns Zettelkasten als soziales Netzwerk vor, eine Sammlung thematisch strukturierter Exzerpte und Zitate aus allen Wissensgebieten.

Die Beispiele für die sinnvolle Nutzung sozialer Software und Suche liessen sich fortführen. Und so einfach sie sich anhören, so hoch sind die Hürden für technisch ausgereifte Systeme, die aus dem riesigem Datenmeer der User das wirklich Gesuchte finden. Der oben verlinkte Artikel in der Technology Review verweist da zum Beispiel auf den Wildwuchs beim Tagging, das von vielen Usern nach subjektiven Eindrücken zwischen “nett” und “schön” eingesetzt wird. Die Relevanz für eine Suche geht im Dschungel der Beliebigkeit gegen Null. Auf der anderen Seite läßt der “Jargon” Rückschlüsse auf die Interessengruppe zu.

Sprache, Subjektivität, Fragmentierung der Interessen, da haben sich Entwickler sozialer Suchmaschinen etwas aufgehalst, was an Indifferenz und Differenz nicht zu überbieten ist und von Maschinen geordnet und sinnvoll ausgegeben werden soll, ohne den Suchenden mit seinen Interessen und Motiven, Vorlieben und Erwartungen jemals wirklich kennen zu können. Das wird eine spannende Suche.

Autor: Ralph Segert   Tags: ,   1 Kommentar    

Achtung vor Kochfotos und Kornwiesen

09.02.08

Es nervt, bei der Google Bildersuche mit schönen Fotos bestplatziert zu sein. Da finde ich meine Bilder in Gästebüchern (neben ganz Ekelhaftem), in Foren (aus dem Zusammenhang gerissen), in Weblogs (zur Illustration ohne Quellenangabe) und auf kommerziellen Sites (Reiseanbieter scheinen ein natürliches Recht auf fremde Fotos zu haben). Selbst vor einem Wasserzeichen wird nicht zurückgeschreckt. Kommerzielle Sites bekommen schlicht eine moderate Rechnung zugeschickt.

Wäre ich ohne Respekt vor meinen Mitmenschen, würde ich es wie der Fotograf machen, der private Nutzer seiner Kochbuchfotos fleissig abmahnen läßt und hohe Honorare einklagt, wie in der Plusminus-Reportage Abzocke im Internet: Teure Informationsfallen zu erfahren ist. Kamera kaufen ist günstiger stellt Perun dazu lapidar fest. Wobei selbstverstänlich darauf zu achten, dass bitte vorher zu fragen sei, ob man ein Objekt fotografieren dürfe und sei das eine Kornwiese.

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Ein Leben ohne Software

05.02.08

Wie wenig wir uns über die Verletzlichkeit technischer Systeme, die ohne Strom nicht funktionieren würden, Gedanken machen. Entsprechend groß ist der Schrecken bei Ausfall. Auf der Ebene des Users könnte das der Crash der externen USB-Festplatte sein, auf der man stolz seine 160 GB große Musiksammlung herumreicht. Auf internationaler Ebene sind das aktuell vier “Untersee-Internetkabel”, deren Ausfall Teile Indiens und des Nahen Ostens vom Netz getrennt hat und IT-Firmen eine Ahnung vom digitalen Super-Gau brachte. Ben Schwan sieht in dem Artikel Ein Leben ohne Netz die Globalisierung in Gefahr, die ohne weltweites “billiges Netz” ins Stocken geraten würde: “Der Vorfall macht deutlich, wie abhängig die Menschheit inzwischen von ihrer Telekommunikationsinfrastruktur geworden ist.”

Die “Menschheit” ohne Netz! Gemeint ist die Menscheit, die Computer und Netze entwickeln, betreiben und kaufen können. Und die kann sich auch ein Leben ohne Software nicht mehr vorstellen. Sie lebt in Gesellschaften, die sich mit zunehmender Geschwindigkeit virtualisieren. Virtualisierung, die die Virtualisierung beschleunigt. Wirtschaft und Gesellschaft, Leben und Kultur hängen an Einsen und Nullen, der Sauerstoff der Globalisierung.

IT-Netzwerke und Software beschleunigen die Produktion, das Verteilen von Waren, die weltweite Kommunikation und vieles mehr. Was Software alles steuert, misst, auswertet, überwacht, simuliert, “hört”, “spricht”, “sieht”, suggeriert, transportiert, koordiniert! Sollte der Transistor einmal streiken, was wäre dann? Allgemein: Ein Leben ohne Software, ohne Virtualität würde direkt ins Chaos führen. Wie sähe das aus?

Autor: Ralph Segert   Tags: ,      

“Klick, und weg” und die coole Entfremdung

01.02.08

In seiner neuen Kolumne mit Verrissen von Produkten, berichtet Peter Glaser in der Technology Review über den Abschiedsbrief-Generator und stellt diesen in den Zusammenhang einer “Klick, und weg”-Haltung. Nichts weniger als eine kulturelle und seelische Verarmung könnte hier im Gange sein und als weitsichtiger Zeuge wird der Kulturwissenschaftler Lewis Mumford zitiert:

“Nichts kann die menschliche Entwicklung so wirkungsvoll hemmen wie mühelose, sofortige Befriedigung jedes Bedürfnisses durch mechanische, elektronische oder chemische Mittel.” In der ganzen organischen Welt beruhe Entwicklung auf Anstrengung, Interesse und aktiver Teilnahme – nicht zuletzt auf der stimulierenden Wirkung von Widerständen, Konflikten und Verzögerungen. “Selbst bei den Ratten kommt vor der Paarung die Werbung.”

Jeder der beispielsweise einmal gestärkt aus einer schmerzhaften Trennung erwachsen ist, kann diese Erkenntnis wohl gut nachvollziehen. Andererseits wird sich wohl kaum jemand davon freisprechen können, dass ihm einmal der Mut gefehlt habe, mit “Respekt” gegenüber dem Anderen Schluß zu machen. Nur dass man heute statt des Telefons Internet-Software benutzt, wobei ein Klick natürlich viel weniger Mut als ein Telefonat erfordert.

Interessant finde ich diese Haltung des “Klick, und weg” im Zusammenhang mit der These, dass eine Verminderung sozialer Kontakte und der Fähigkeit zur Konzentration durch ständige Aufmerksamkeit am Computer und im Internet stattfinde. Unter dem Titel Kognitives Zappen und Multitasking habe ich dazu meine Erfahrungen als Internet-Junkie aufgeschrieben. Die Auflösung der Konzentrationfähigkeit durch ständigen Klick-Input mit Hilfe zahlreicher Dienste und Programme könnte mit einer Hilflosigkeit gegenüber Problemen und Konflikten einhergehen, gepaart mit Selbstbestätigung der eigenen Coolness: Klick, und aus dem Sinn, was für eine leichte Rache.

Vielleicht ist es auch einfach nur eine unbewusste Notwehr gegenüber einem ungeahnten Übermaß an Reizen, das durch diese als Sozialveranstaltung postulierte Vermehrung von Videos, Bildern und Podcasts noch unerwartet zugenommen hat.

Das oben zitierte Zitat (das ist Bloggen ;-) von Lewis Mumford hat mich neugierig gemacht auf den Mann, vor allem auf sein Hauptwerk Mythos der Maschine – Kultur, Technik und Macht, ein zweibändiges Werk, veröffentlicht zwischen 1966 und 1970. Auf dem ersten Buchmarkt ist es nicht mehr zu haben.

Dort fand ich einen Absatz von der Seite 770, der die Nähe des Menschen zu Pflanzen und Tieren herausstellt und Grundeigenschaften” beschreibt, die wir mit Tieren gemein hätten: “verlängerte sexuelle Paarung und Aufzucht der Jungen, Geselligkeit und erotische Lust, Verspieltheit und Freude”.

Seine tiefe Liebe zum Leben wurde dadurch verstärkt, daß er sich in einer Umwelt fand, die ihm nicht nur physische Nahrung bot, sondern auch seine unablässige Selbstumwandlung förderte. In dieser Hinsicht haben selbst die einfachsten Organismen uns etwas Wesentliches zu sagen, das weit über den Horizont unserer raffiniertesten Technologie hinausgeht. Wären wir in bezug auf Erfahrungen und materielle Subsistenz ganz auf die Maschine angewiesen, so wäre die Menschheit schon längst an Unterernährung, Langeweile und hoffnungsloser Verzweiflung gestorben.

Autor: Ralph Segert   Tags: , ,   1 Kommentar    


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