Mit Verena bei Freunden im dunkelverrauchten Wohnzimmer gesessen und gesehen, wie sich Schalke 04 von den Bayern hereinlegen liess. Nach ner Pommes beim “lustigen Bosnier” mit dem Fahrrad in gemäßigter Luft nach Hause gefahren und überrascht worden von einem intensiven Kaffeeduft in unserer Küche. Wenn Räume so riechen, dann leben sie und das fasziniert mich. Das erinnert mich an ein Treppenhaus aus meiner Kindheit. Warmer Holzgeruch vermischt mit Gerüchen aus der Küche und altem Stein.
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Ralphs am 9.11.08 Fussball Leben [ 1 Kommentar ]
Den Rechner ausschalten, von Obama runterkommen, schnell die Glotze an, noch schneller auf arte umschalten und ab 23.40 Uhr auf den folgenden Film von Ivo Trajkov gespannt sein: Der Tag, als Stalins Hose verschwand (Mazedonien/Tschechische Republik/USA 2004). Einige Szenenbilder, die vielleicht Lust drauf machen.
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Ralphs am 5.11.08 Leben [ ]
Da bin ich nah an der Opagrenze, auch wenn ich nicht so aussehe, seit 21 Jahren Vater und 15 davon der Wochenendzampano. Und ich war perplex, ja schockiert, als ich hörte, dass Eltern Geburten mit Kaiserschnitt ohne Wehen bestellen können und das tun! — Und entsprechend wie am Fließband abgefertigt werden.
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Ralphs am 4.11.08 Leben [ ]
Was hielt mir meine Verena heute Mittag beim Stöbern unter die kaffeesuchende Nase? Ein Foto mit Ausrufpotenzial: Dat-warn-noch-Zeiten! Vielmehr mein Geburtstag im Jahr 2000, immer noch frisch verliebt himmelhochjubelnd. Mein Büro war da noch in Witten und ein fetter Flash-Auftrag drängte. Da saß ich dann kurz nach dem Aufstehen zwischen Tür und Sofa und machte Hausarbeit im Feinripp.
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Ralphs am 23.10.08 Freiberufler Leben [ ]
Als mich letztens ein Freund meiner Anleitungen dazu aufforderte, eine Wunschliste anzulegen, habe ich das prompt getan. Und was passiert ein paar Wochen später? Ein freundlicher Mensch, der “meine Arbeit zu schätzen weiss” schickt mir einen Trostbären, der mir mitteilen soll: “Kopf hoch, alles wird gut!”. Dabei war auch eine CD mit dem Namen Groove Train, feinster Soul Jazz aus dem Hause Blue Note. Ich möchte dem netten Spender hiermit herzlich danken, denn Buch und Musik machten diesen Tag.
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Ralphs am 18.10.08 Leben Netz [ ]
Lust auf ein neues helles Layout und eine Idee für das Blog hier weckten den CSS-Bastler in mir. Für das Hauptmenü oben lasse ich mir am Wochenende etwas einfallen. Ich möchte es einsetzen, um dort zentral meine Arbeit vorzustellen, die ich auf der alten Startseite von ralph-segert.de anreissen werde: Mein Webdesign, die Arbeit als Autor und das Beste aus meinem Archiv der S/W-Fotos. Auch überlege ich, an einem Profil für Beratungsleistungen zu feilen. Mein Slogan: Content rockt. ;-)
Mit diesem Redesign ist auch Schluß mit dem Bloggen hier und Bloggen dort. Da wusste am Ende ja niemand mehr, wo mein virtuelles Zentrum ist; es ist jetzt hier in diesem Blog. Einige andere Weblogs werde ich aufgeben, auf thematisches Bloggen habe ich zur Zeit keine Lust. Die gewonnene Zeit und Konzentration nutze ich für das Lesen. Mit Aufräumen meiner Bücherwand habe ich einige Schätze wiederentdeckt, vor allem Klassiker: Büchner, Heine, Tucholsky, von mir bewunderte Menschen und Schriftsteller. Sie zu lesen, das schult auch mein eigenes Schreiben.
So, nun hoffe ich noch, dass Hip Shake heute Nacht so richtig rockt. Drückt uns bitte die Daumen, dass genügend Gäste kommen. :-)
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Ralphs am 18.10.08 Blogosphäre Leben Netz [ 4 Kommentare ]
…aber über Nacht kam der Gedanke, dass ich manche Dinge einfach nicht mehr in die Google- und Blogwelt hinausposaune, auch wenn sie distanzierlich formuliert worden sind.
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Ralphs am 12.10.08 Leben [ 1 Kommentar ]
Verena und ich sind Fans echter italienischer Pizza, haben bisher aber, trotz zahlreicher Versuche und freundlich gemeinter Tipps aus dem Freundeskreis, keine Pizzeria gefunden, die eine Pizza ohne 2 Tonnen Glitschkäse, ohne dicken bis labrigen Teig und ohne Belag bis zum Kinn des Gastes anbietet. Gibt es denn keine Pizzeria im Ruhrgebiet, die echt italienische Pizzen serviert, dass es eine Freude ist? Große, hauchdünne und knusprige Pizzen mit reichlich Tomate und sparsam dosiertem Mozzarella-Käse drauf, mit frischen Zutaten von Parma-Schinken bis frisch geschnittenen Champignons und mit Feingefühl belegt! Wir sind der Verzweiflung nahe und für einen echten Tipp würden wir den Tippgeber glatt einladen.
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Ralphs am 22.08.08 Leben Ruhrgebiet [ 1 Kommentar ]
Als leidenschaftlicher Bewunderer der Nouvelle Vague, als Freund des Autorenfilms und Sammler von Filmen, die dem großen Thema Leben auf der Spur sind, freue ich mich auf die Nacht vom Montag auf den Dienstag. Denn der HR sendet um 00:15 Uhr Elf Uhr Nachts (Pierrot le fou, F./I. 1965) von Jean-Luc Godard. Auf der Suche nach weiteren Informationen über Pierrot le fou, habe ich die Website Mitternachtskino des Regisseurs Björn Last entdeckt. Dort werden zahlreiche internationale Filme vorgestellt, die man nur selten im Fernsehen sieht. Der Filmkenner Björn Last geht es dabei nicht zu sehr um Interpretationen als vielmehr darum, “umfassend zu informieren, den Film qualitativ zu bewerten – ihn vorzustellen. Für jene Filmbegeisterten, die jenseits von normalen Geschichten, gängigen Formen und konventionellen Techniken schauen wollen – für jene Menschen, die völlig (unabhängig vom Alter des Films) neue und andersartige Filme entdecken wollen.”
Das liest sich sehr gut und erinnert mich an meine Idee, die Filme meines Lebens ausführlich vorzustellen, ähnlich wie ich es hier einmal mit Rivettes Die Nonne getan habe. Das Projekt ist langfristig gedacht. Zur Zeit lese ich alles, was ich über und von François Truffaut bekommen kann. Angetan haben es mir auch einige Meisterwerke von Claude Chabrol, Jean-Pierre Melville, Claude Sautet und vor allem Louis Malle, dessen Filme Das Irrlicht (Le Feu Follet, F./I. 1963) und Zazie (Zazie dans le metro, F. 1960) mich nicht mehr loslassen.
Was sind das für geniale Filme und wieviele gibt es noch zu entdecken! Wenn ich die vergleiche mit dem Tatort Schicht im Schacht, den ich mir heute wegen der Ruhrpottkulisse und einer schlechten taz-Besprechung angesehen habe (auf Tatort-Filme, die jünger als 20 Jahre sind, verzichte ich eh immer freiwillig). Eine Zumutung, nicht nur wegen eines Schimanskis, der beim Reden mit Essen spuckt. Dreht man sowas, wenn man keine Phantasie hat oder verachtet man einfach das Publikum? Eine an den Haaren herbeigezogene Story, selbst die Kulisse wirkte bei soviel stümperhafter Dramatik ohne Glaubwürdigkeit. Film und Fernsehen auf den Hund gekommen.
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Ralphs am 20.07.08 Film Leben [ ]
Sven Lennartz hat unter dem Titel 33 schöne, deutschsprachige Blogs dieses Weblog hier vorgestellt, danke dafür. Dass da unter anderem steht, “Urgestein Ralph Segert setzt auf minimale Eleganz” und dass ich genau am Tag meines Geburtstages so genannt werde, ist ein witziger Zufall. Derweil kann ich versichern, dass ich trotz meines Lebens- und Webalters immer noch quicklebendig bin und jede Anmutung eines alten Sacks vermissen lasse. ;-). In diesem Sinne freue mich heute Abend auf eine kleine Runde im Freundeskreis und auf eine Gulaschsuppe, die heute am zweiten Tag göttlich munden wird.
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Ralphs am 7.07.08 Leben [ 9 Kommentare ]
2006 und 2007 waren gute Jahre für uns, dafür verspricht das aktuelle Jahr umso schlechter zu werden. Wir sehen dies als das übliche Auf und Ab von freuberuflichen Webworkern, die ohne Werbeetat den Laden am Laufen halten. Zusammen mit meiner englischversierten Liebsten sind das jetzt gut 8 Jahre. Nun, anstatt zu jammern, nutzen wir die freie Zeit für sinnvolle Webprojekte, die unseren Credit im Netz auf einem erfreulichen Niveau halten. Zudem haben wir – wir können das kaum glauben – nun endlich eine englische Version unserer Firmensite im Netz, die unter segert.co.nz zu erreichen ist. Zumindestens im Hinblick auf Icondesign sind auch Anfragen aus anderen Ländern nicht unrealistisch. Wir werden sehen.
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Ralphs am 1.07.08 Freiberufler Leben [ 8 Kommentare ]
Im Jahr der Mathematik gibt es hier und dort erstaunliche und banale Geschichten rund um Zahlen und Zahlenspiele. Mich faszinieren Zahlen immer dann, wenn sie nicht mehr vorstellbar sind und Vergleiche der Vorstellungskraft auf die Sprünge helfen, so wie ich es in meinem Beitrag Zahlen zur Globalisierung versucht habe. Daneben gibt es eine seltsame Magie der Zahlen, von der sich wohl kaum ein Mensch ganz freisprechen kann.
Zwar ist die 42 wie die 66 recht abgenutzt, doch als Ersatz könnte auch die Hälfte der Wahrheit reichen. Die 21 hat für mich ihre eigene Ästhetik und ihre Quersumme 3 führt schnurstraks zum Zahlenzauber, den auch die magische Zahl 7 ausstrahlt, die gleich zweimal in meinem Geburtsdatum enthalten ist und sich ein drittes Mal in den beiden letzten Ziffern meines Geburtsjahres als Quersumme versteckt.
Seit ich denken kann, ist die 7 meine Lieblingszahl, ohne dass ich gleich zu sagen wüsste, warum. Sie sei einfach schön, sie habe etwas geheimnisvolles. Das ist wohl einer der Gründe, dass ich eine Website von 1998 einmal 7 Design genannt habe. Für den einen oder anderen Menschen mag die 7 so banal sein wie die 24 – die als die Online-Zahl für eCommercer gelten kann, wurden doch für manche Domainnamen mit der Zahl 24 horrende Summen verlangt, wohl in der Hoffnung, dass der Kaufrausch rund um die Uhr stattfinde.
Interessant sind Zahlen, die nur dazu da zu sein scheinen, um unser Gehirn nicht allzu stark zu überfordern, als sei das ein Trick, um das Unvorstellbare vorstellbar zu machen. So habe unsere Galaxie einen Durchmesser von 100.000 Lichtjahren. 100.000 nur? Das ist in der Tat nicht viel im Vergleich zur Entfernung der faszinierenden Sombrero-Galaxie M104, deren Entfernung kein Mensch wirklich weiss, die man aber mit einer großzügigen Spanne auf einen Abstand zwischen 30 und 50 Millionen Lichtjahre beziffert. Auf die eine oder andere Million kommt es nun wirklich nicht an im Universum.
Angesichts dieser weiten Entfernung scheint unsere Galaxie recht klein. Wäre aber ein Wesen so groß wie unsere Galaxie, wären beide Galaxien recht nah beieinander. Wenn unserer Galaxie 1 Kilometer breit wäre, betrüge die Entfernung zu M104 lediglich 300 bis 500 Kilometer. Dächten wir uns unsere Galaxie mit dem Auto unterwegs, würden wir sicher nicht von einer großen Entfernungen reden. Mit deutscher Rasermentalität wäre sie in ein paar Stunden da. ;-)

Der “Sombreronebel” aufgenommen vom Hubble-Weltraumteleskop.
Doch wie belanglos wird der Vergleich zwischen 100.000 und 50 Millionen Lichtjahren, wenn ich mir vergegenwärtige, dass ein Lichtjahr etwa 9,5 Billionen Kilometer hat. Wir können uns ja nicht einmal den Erdumfang in seiner ganzen prächtigen Ausdehnung mit satten 40.000 Kilometern vorstellen! Was soll unser Kopf dann mit einem Lichtjahr anfangen, ausser dass er damit abstrakte Entfernungen zusammenrechnet oder bestenfalls ein faszinierendes Staunen zuläßt? Aber die Zahlen geben uns wenigstens eine Ahnung von unserer Ahnungslosigkeit.
Faszinierendes Staunen angesichts des unvorstellbar Großen und unvorstellbar Kleinen (wobei beides einen Freifahrtschein in die Unendlichkeit hat) ist verwandt mit dem Spieltrieb und was wäre der Spieltrieb ohne Zahlen? Gar nicht denkbar? Nur halb so schön? Ähnliches sagte sich wohl die Natur, ließ aber Taten folgen und machte sich schön nützlich mit Fibonaccizahlen. Auch Designer und Künstler mit ihrer Verehrung des goldenen Schnitts singen das Lied der schönen Zahl.
Halten wir fest, Zahlen sind schön, Zahlen sind unbegreiflich, Zahlen sind faszinierend. Wie geht es Euch mit Zahlen? An welche Zahlenerlebnisse denken Blogger, die gerne mal auf ein Blogstöckchen reagieren? Mich würde zum Beispiel interessieren, wie es um die Zahlenmagie und Zahlenabneigung, die Lieblingszahlen und Zahlenerlebnisse beim Herrn Paulsen und Pixelgangster, bei Lazerte und Gabi steht. Und der Herr Basic, der offen seinen Blogverdienst mit 3500 Euro bekannt gab, vielleicht macht der glückliche Robert ja auch mit. Und wer immer auch Bock hat, seine Zahlenerlebnisse loszuwerden, der Kommentarbereich steht offen. ;-)
Und was stelle ich beim Posten dieses Textes fest: Er wurde geschrieben am 4.4.2008. Wenn das kein harmonisches Datum ist, um über Zahlen zu schreiben. Zufall, aber trotzdem faszinierend und oben im Karteireiter sogar mit 04 dabei. Das passt!
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Ralphs am 4.04.08 Leben Wissen [ 8 Kommentare ]
Heute kam ein Anruf von einer älteren Dame, die noch gelernt hat, ins Telefon zu schreien. Sie fragte, ob hier die Aldi-Zentrale sei. Ich verneinte und fragte zurück, wie sie darauf käme. Hier stünde Ralph Segert im Impressum. Ich stutzte und dachte, was macht Aldi mit meinem Impressum. Auf welcher Seite sie das gefunden hätte, hakte ich nach. Sie wäre in Google gewesen und hätte die Wörter eingegeben und in dieser Liste hätte sie geklickt. Sie zitierte das Impressum und sagte noch Ruhrpottbilder. Verstehe, gab ich zurück. Das sei doch nur ein Foto von mir, klärte ich auf. Ach so, gab sie unberührt zurück und fragte pragmatisch, ob ich nicht die Telefonnummer der Aldi-Zentrale wüsste. Ich verneinte. Und bevor ihr noch einen Tipp für die erfolgreiche Suche geben konnte, war sie schon weg.
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Ralphs am 25.03.08 Leben Netz [ 1 Kommentar ]
Zum ersten Mal das Endzeit-Drama Quiet Earth von Geoff Murphy gesehen, gedreht 1985 in Neuseeland nach einem Roman von Craig Harrison. Mit bedrückendem Realismus in Szene gesetzt, überzeugende Handlung mit einem Minimum an zum Gähnen bringenden Klischees, mit überraschenden Wendungen, wenn wir es nicht erwarteten. Das Gefühl, wie schlagartig alles wertlos würde, wäre man ganz allein auf der Welt; wie nah auch am Wahnsinn. In der Nacht darauf träumte ich intensiv. So dunkelte sich immer wieder die Sonne vollständig ab, ich schien das als Einziger zu bemerken. Tag und Nacht wechselten im Minutentakt. Dann schlingerte die Sonne trunken über einen schwarzen Himmel, ich fühlte die Erde rasen und wusste, es ist gleich aus mit uns. Schrecken und schnelles Abfinden, dann das Bedauern, dass man danach nichts darüber in der Zeitung lesen könne, geschweige denn darüber bloggen. So ein Erlebnis ohne Feedback! Das beträfe jetzt ausnahmslos alle Menschen, war ein Trost im Traum.
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Ralphs am 21.03.08 Leben [ 2 Kommentare ]
Gustave Flaubert in Lehrjahre des Gefühls, Insel Verlag, 2001, S. 302f:
“Hussonet war nicht gut aufgelegt. Dadurch, dass er täglich über alle möglichen Themen schrieb, viele Zeitungen las, vielen Diskussionen beiwohnte und, um zu beeindrucken, paradoxe Behauptungen von sich gab, hatte er schließlich den genauen Begriff von den Dingen verloren und sich mit den schwachen Raketen seines Geistes selbst blind gemacht. Die Sorgen eines ehemals leichtsinnigen, jetzt aber schwierigen Lebens hielten ihn in dauernder Erregung; und seine Ohnmacht, die er sich nicht eingestehen wollte, machten ihn bissig, sarkastisch.”
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Ralphs am 12.03.08 Buch Leben [ 1 Kommentar ]
Bergmannstraße, Berlin Kreuzberg, buntes Treiben in vormittaglicher Frühlingssonne. In der Hoffnung einen offenen Hotspot zu finden, aktiviere ich Wi-FI in meinem iPod Touch. Es gab kein offenes Funknetz aber sage und schreibe 21 WLANs. Ein wahres Strahlennetz und immer wieder interessant die ganzen WLAN-Namen von banal über konzerngeführt bis kryptisch und poetisch. Der moderne Ausdruck sprachlicher Phantasie (oder was davon übrig blieb) in Zeiten der unaufhaltsamen und rasanten Digitalisierung des Alltagslebens. Überhaupt in manchen Cafés der tausend Berliner Szenen: Nicht der notebookvertiefte Gast fällt auf, nein, der ohne. Aber Surfen mit dem iPod Touch macht auch in Berlin noch was her. ;-)
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Ralphs am 11.03.08 iPod Touch Leben [ ]
Da der Zufall der “große Meister aller Dinge” sei, ist es für Luis Buñuel folgerichtig eine lästige und allgegenwärtige “Manie”, alles verstehen zu wollen. Es mache die Dinge mittelmäßig und würdige sie herab.
“Wären wir in der Lage, unser Geschick dem Zufall anzuvertrauen und das Geheimnis unseres Lebens mutig anzunehmen, wären wir einem bestimmten Glück nahe, das der Unschuld ähnelt.” – Mein letzter Seufzer, Berlin 2004, S. 249ff
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Ralphs am 26.02.08 Buch Leben [ 1 Kommentar ]
Der großartige Filmemacher Luis Buñuel in seinem Erinnerungsbuch Mein letzter Seufzer: Erst im späten Alter von sechzig oder mehr Jahren habe er die “Unschuld der Imagination ganz begriffen”. Frei übersetzt: Keine Sorge bei plötzlich auftauchenden Mord- oder perversen Gedanken, sie gehören allein Dir, denn Deine Phantasie, was immer sie hervorbringe, sei keine “Sünde”, sie sei die “völlige Freiheit” des Menschen. Berlin 2004, S. 254
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Ralphs am 26.02.08 Buch Leben [ ]
In seiner neuen Kolumne mit Verrissen von Produkten, berichtet Peter Glaser in der Technology Review über den Abschiedsbrief-Generator und stellt diesen in den Zusammenhang einer “Klick, und weg”-Haltung. Nichts weniger als eine kulturelle und seelische Verarmung könnte hier im Gange sein und als weitsichtiger Zeuge wird der Kulturwissenschaftler Lewis Mumford zitiert:
“Nichts kann die menschliche Entwicklung so wirkungsvoll hemmen wie mühelose, sofortige Befriedigung jedes Bedürfnisses durch mechanische, elektronische oder chemische Mittel.” In der ganzen organischen Welt beruhe Entwicklung auf Anstrengung, Interesse und aktiver Teilnahme – nicht zuletzt auf der stimulierenden Wirkung von Widerständen, Konflikten und Verzögerungen. “Selbst bei den Ratten kommt vor der Paarung die Werbung.”
Jeder der beispielsweise einmal gestärkt aus einer schmerzhaften Trennung erwachsen ist, kann diese Erkenntnis wohl gut nachvollziehen. Andererseits wird sich wohl kaum jemand davon freisprechen können, dass ihm einmal der Mut gefehlt habe, mit “Respekt” gegenüber dem Anderen Schluß zu machen. Nur dass man heute statt des Telefons Internet-Software benutzt, wobei ein Klick natürlich viel weniger Mut als ein Telefonat erfordert.
Interessant finde ich diese Haltung des “Klick, und weg” im Zusammenhang mit der These, dass eine Verminderung sozialer Kontakte und der Fähigkeit zur Konzentration durch ständige Aufmerksamkeit am Computer und im Internet stattfinde. Unter dem Titel Kognitives Zappen und Multitasking habe ich dazu meine Erfahrungen als Internet-Junkie aufgeschrieben. Die Auflösung der Konzentrationfähigkeit durch ständigen Klick-Input mit Hilfe zahlreicher Dienste und Programme könnte mit einer Hilflosigkeit gegenüber Problemen und Konflikten einhergehen, gepaart mit Selbstbestätigung der eigenen Coolness: Klick, und aus dem Sinn, was für eine leichte Rache.
Vielleicht ist es auch einfach nur eine unbewusste Notwehr gegenüber einem ungeahnten Übermaß an Reizen, das durch diese als Sozialveranstaltung postulierte Vermehrung von Videos, Bildern und Podcasts noch unerwartet zugenommen hat.
Das oben zitierte Zitat (das ist Bloggen ;-) von Lewis Mumford hat mich neugierig gemacht auf den Mann, vor allem auf sein Hauptwerk Mythos der Maschine – Kultur, Technik und Macht, ein zweibändiges Werk, veröffentlicht zwischen 1966 und 1970. Auf dem ersten Buchmarkt ist es nicht mehr zu haben.
Dort fand ich einen Absatz von der Seite 770, der die Nähe des Menschen zu Pflanzen und Tieren herausstellt und Grundeigenschaften” beschreibt, die wir mit Tieren gemein hätten: “verlängerte sexuelle Paarung und Aufzucht der Jungen, Geselligkeit und erotische Lust, Verspieltheit und Freude”.
Seine tiefe Liebe zum Leben wurde dadurch verstärkt, daß er sich in einer Umwelt fand, die ihm nicht nur physische Nahrung bot, sondern auch seine unablässige Selbstumwandlung förderte. In dieser Hinsicht haben selbst die einfachsten Organismen uns etwas Wesentliches zu sagen, das weit über den Horizont unserer raffiniertesten Technologie hinausgeht. Wären wir in bezug auf Erfahrungen und materielle Subsistenz ganz auf die Maschine angewiesen, so wäre die Menschheit schon längst an Unterernährung, Langeweile und hoffnungsloser Verzweiflung gestorben.
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Ralphs am 1.02.08 Leben Netz Software [ 1 Kommentar ]