Ratatatam

22.10.09

Gefährlich geheime Nanotechnologie

Im Juni 2008 gab es eine recht breite Presse über die Gefahren der Nanotechnologie. Getan hat sich bis heute nur eins: Produkte mit Nanoteilchen von Nano-Food bis Kleidung und IT-Artikel haben zugenommen, aber eine dringend notwendige Kennzeichnungspflicht und Gesetze, die den Einsatz von Nanoteilchen regeln, gibt es nicht, einmal abgesehen davon, dass es nur wenig Öffentlichkeit über das Gefahrenpotential dieser Technologie gibt. Umso lobenswerter, dass endlich das Umweltbundesamt Warnungen ausspricht. Eine Gefahr liege zum Beispiel in der Gefährdung der Trinkwasserversorgung. In dem WDR-Artikel Klein, aber gemein – Nanoteilchen heißt es:

“Silberteilchen aus Kleidung werden beim Reinigen ausgewaschen. Und damit gelangen die hochwirksamen Silberteilchen in die Kläranlage. Aber sie wirken immer noch antibakteriell und bringen die Bakterienkulturen durcheinander, auf deren Arbeit die Kläranlage dringend angewiesen ist. Und nach der Kläranlage? Über den Verbleib dieser Silberpartikel in der Umwelt, in Pflanzen und Fischen, ist kaum etwas bekannt.”

So begrüßenswert die Warnung des Umweltbundesamtes ist, politisch wird sich solange nichts tun, bis die Nanopest genügend Kranke hervorgebracht hat oder der Verbraucherdruck stärker wird. Wie wärs mit einer Scheiß-auf-Nano-Partei als zukünftiger Koalitionspartner der Piratenpartei? Der Anti-Nano-Verbaucher braucht dringend eine Lobby. Allein in Deutschland versuchen 800 Unternehmen ihr Geld mit Nanotechnik zu machen und stellen den Verbraucher vor vollendete Tatsachen, obwohl es bereits einige Studien gibt, die die potentiellen Gefahren für Mensch und Umwelt nahelegen. Das heraufbeschworene “Potential” mag Arbeitsplätze schaffen und tolle Effekte haben, aus meiner Sicht als Konsument verzichte ich aber gerne auf all die untergejubelten Scheinvorteile aus der Büchse der Pandora – stell Dir den genialen Löffel vor, auf dem der Honig nicht mehr klebt, lästiges Ablecken entfällt, oh Wahnsinnsfortschritt!
Video: Nanotechnologie: Umweltbundesamt warnt vor Folgen für die Gesundheit

Fortsetzung:
Die FR listete gestern Nano-Produkte auf. Dabei fällt mir ein, dass eine Webdatenbank mit Nanoprodukten nicht die schlechteste Idee wäre. Vertreten wären unter anderem Beiersdorf und der Großteil ihrer Sonnencremes, diverse Hersteller von Anti-Falten-Cremes sowie Socken, Bettwäsche und Sportkleidung (darin enthalten Nano-Silber), Glasreiniger Sidolin von Henkel mit dem “Nano-Protect”-Effekt, IT-Produkte jeder Art: Prozessoren, Displays und Bildschirme mit Oled-Technologie. Auch Kühlschränke würden verstärkt auf Nano-Silber setzen. Mercedes setzt Lack mit Keramikpartikeln ein.

Weitere Links: Interview mit Patricia Cameron, Umweltexpertin vom BUND: “Die Risikoforschung hinkt hinterher” und wie das Umweltbundesamt die Nanogefahren anscheinend schönredet:

Die Nanopartikel sind bislang nur in den abgestorbenen oberen Hautschichten nachweisbar. Tiefere Hautschichten mit lebenden Zellen werden nicht erreicht, so das Umweltbundesamt. Forscher der Universität Tokio sind da nicht so optimistisch. Sie zeigten jüngst im Tierversuch mit Mäusen, dass Titandioxid-Nanopartikel sehr wohl bis in den Fötus wandern und dort die Umsetzung von Erbgutinformationen in Eiweiße stören. Betroffen seien Gene, die bei Gehirnstörungen eine Rolle spielten.

   

8 Kommentare

  • 1 — Geschrieben von Karl Célibataire am 22. Oktober 2009 um 13:34:

    Danke für die verschiedenen Links, der Link zum Thema Gesundheit und Umwelt ist besonders interessant.

  • 2 — Geschrieben von Michael Kostic am 22. Oktober 2009 um 21:30:

    Wer es schafft nicht nur alt zu werden, sondern auf diesem seinem Weg die Augen offen und den Verstand rege hält, den überrascht das nicht:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Asbest#Gesundheitssch.C3.A4dlichkeit

    Das Problem sind aber nicht die Unternehmen die diesen Mist produzieren, sondern die Kleingeistigkeit der Akademiker und Berichterstatter. Aus Angst vor billigem Job u./o. Einnahmeverlust wird da nicht nur viel zu häufig der Mund gehalten, sondern die aktive Beteiligung an Initiativen verweigert, unter der Zuhilfenahme ebenso billiger Gründe.

    Wie die Menschen in diesem Land ihrem eigenen Nachwuchs noch ins Gesicht schauen können, ohne sich in Grund und Boden zu schämen, ist mir ein echtes Rätsel…

  • 3 — Geschrieben von Denis am 26. Oktober 2009 um 20:07:

    Da gabs doch mal so ein Konsumblog. ;-)

  • 4 — Geschrieben von Ralphs am 28. Oktober 2009 um 11:26:

    Stimmt, das gabs mal, is gescheitert und bleibt es auch. ;)

  • 5 — Geschrieben von Michael Kostic am 28. Oktober 2009 um 13:02:

    Gestern sitze ich im Warteraum und blättere im focussierten Boulevardblatt. Und stolpere prompt über einen Folgeartikel hierzu:

    http://www.focus.de/panorama/welt/agrar-logo-ohne-gentechnik-soll-einkauf-erleichtern_aid_424980.html

    Aussage des Printartikel:

    Das Projekt droht zu scheitern, weil es kaum mehr nicht manipulierte Produkte gibt. Hersteller von Tiefkühlpizzen hätten z.B. angefragt, ob sie das Siegel nicht dennoch benutzen dürften, für den Teig des Bodens…

    Ich ahne das es mit der Nanotech demnächst nicht viel besser gestellt ist…

  • 6 — Geschrieben von Nano-Experte am 13. November 2009 um 15:58:

    Lieber Blog-Schreiber,

    leider sind ihre Informationen nicht korrekt. Haben sie den Bericht des Umweltbundesamts gelesen? Dort wird vor allem von den positiven Wirkungen von Nanotechnologie auf die Gesundheit gesprochen.

    Lesenswert ist sicherlich auch eine Studie der Enviromental Working Group (einer der schärfsten Kritiker der Nanotechnologie) über Nanopartikel in Sonnencreme:

    http://www.ewg.org/cosmetics/report/sunscreen09/investigation/Nanotechnology-Sunscreens

    Dort wird festgestellt, dass die UV-Filter aus Zink- oder Titanoxid weder in die Haut eindringen, noch gesundheitsschädigende Wirkung haben. Sonnencremes OHNE Nanopartikel haben aufgrund zusätzlicher Inhaltsstoffe ein 4 mal höheres Potential, Allergien oder Krankheiten auszulösen.

    Im übrigen bemühen sich eine Vielzahl von öffentlichen Einrichtungen (Bund Naturschutz, BMBF, …) um eine Aufklärung der Öffentlichkeit. Von “geheim” kann also keine Rede sein. Projekte wie NanoCare und NanoSafe erforschen objektiv die Risiken der Nanotechnologie – und informieren auch darüber (nanopartikel.info).

    Zu Letzt bleibt noch zu sagen, dass es tatsächlich nanoskalige Stoffe gibt (und schon immer gab), von denen ein Gefährdungspotential ausgeht. Diese werden allerdings nicht Produkten eingesetzt. Hergestellt und erforscht werden diese Partikel schon – genau wie auch Chemikalien hergestellt werden, die ungleich giftiger sind. Es gilt nur einige Vorsichtsmaßnahmen bei der Handhabung zu beachten – wie eben z.B. bei gasförmigen Chemikalien auch.

    Herzlichst,
    Ihr Nanoexperte

  • 7 — Geschrieben von Carl Steller am 23. November 2009 um 16:52:

    Wow! Klingt sehr interessant! Danke! Will noch darüber erfahren!

  • 8 — Geschrieben von Stefan am 27. Dezember 2009 um 13:38:

    Zitat von Michael Kostic:

    “Wie die Menschen in diesem Land ihrem eigenen Nachwuchs noch ins Gesicht schauen können, ohne sich in Grund und Boden zu schämen, ist mir ein echtes Rätsel…”

    Will ich unterstreichen!

    Nanotechnik wird hochgejubelt, und es ist erschreckend, wie leicht die damit durchkommen.
    Sogar die Wissenschaftssendung auf 3Sat gleichen Namens (NANO) wiederholt auf anderer Ebene den ganzen Hype um diese Pandoratechnik.

    Wenn wenigstens die Kennzeichnungspflicht bestehen würde, hätte ich ein besseres Bild von Wissenschaftlern, Wissenschafts-Autoren und jenen Politikern, die den Technik-Chemie-Wachstums-Hype unterstützen.
    Was brauchen wir kratzfreien Lack für Autos, die kein Modeaushängeschild sein sollten?
    Das Bewusstsein um Gebrauchsgüter könnte sich ruhig mal wandeln.

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